"Langzeitergebnisse bei aggressiver Parodontitis"

Millerpreis-Trägerin 2016 PD Dr. Amelie Bäumer stellt ihre Arbeit vor

Während für die chronische Parodontitis (ChP) Langzeitergebnisse nach Therapie über zehn und mehr Jahre vorliegen (Faggion et al. 2007, Eickholz et al. 2008), wurden bisher keine Langzeitdaten über diesen Zeitraum für Patienten mit aggressiver Parodontitis (AgP) erhoben. Daher war das Ziel der vorliegenden Studienreihe, Zahnverlust, Auftreten von Rezidiven und Kariesinzidenz über zehn Jahre nach Therapie bei Patienten mit AgP zu untersuchen sowie mögliche Risikofaktoren zu identifizieren, um die Prognosestellung und somit auch Therapieentscheidungen bei diesen Patienten auf eine breitere Basis zu stellen. Um nach Durchführung der aktiven Parodontitistherapie (APT) die UPT-Intervalle risikoorientiert festlegen zu können und somit eine Über- oder Unterversorgung zu verhindern, wurde zudem die Parodontitis-Risiko-Bestimmung (PRB) nach Lang und Tonetti (2003) erstmalig für dieses Patientenklientel validiert.

Im Rahmen unserer Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass Patienten mit AgP nicht nur kurzfristig sondern auch über zehn Jahre nach APT stabile parodontale Verhältnisse vorweisen. Mit einer Zahnverlustrate von 0,13 Zähnen/Patient/Jahr und einer 10-Jahres-Überlebensrate von 94,8% tritt Zahnverlust insgesamt selten bei Patienten mit AgP ein und unterscheidet sich nicht von Zahnverlusten bei Patienten mit ChP. Mehr als 50% der Probanden erlitten keinen Zahnverlust und nur wenige verloren mehr als drei Zähne. Zahnverlust tritt demnach auch bei der AgP vor allem bei sogenannten Hochrisikopatienten ein. Auf Patientenebene konnten die Faktoren niedriger Ausbildungsstand, Alter und Abwesenheit des IL-1-Polymorphismus als signifikante Risikofaktoren für Zahnverlust festgestellt werden. Signifikante zahnbezogene Faktoren für Zahnverlust stellten die Punkte hoher initialer Knochenabbau, Lokalisation im Oberkiefer, Zahntyp 'Molar' und Pfeilerzahn dar.

Bei etwa einem Viertel der Patienten lag bei Reevaluation ein Rezidiv vor. Als Risikofaktoren für das Auftreten eines Rezidivs konnten Rauchen, ein hoher mittlerer Gingival Bleeding Index (Ainamo & Bay 1975) und hohe nachweisbare Mengen der Parodontalpathogene T. forsythia und T. denticola festgehalten werden. Patienten, die regelmäßig zur UPT erschienen waren hingegen vor Rezidiven geschützt. Ebenso zeigte die Compliance zur UPT einen signifikant positiven Einfluss auf die Kariesinzidenz.

Die prognostische Aussagekraft der modifizierten PRB nach Lang & Tonetti (2003) im Rahmen der UPT konnte für die AgP nicht bestätigt werden. Die Anwendung der PRB scheint durch Überschätzung des individuellen Risikoprofils bei Patienten mit AgP zu einer Überversorgung zu führen. Durch Herausnahme des Faktors IL-1ß-Polymorphismus steigt jedoch die Voraussagekraft des PRB-Models und ist in der Lage, Patienten nach ihrem Risikoprofil eindeutig zu klassifizieren. Um Zahnverlust und Rezidive zu vermeiden sowie das Auftreten einer Karies gering zu halten, sollten Patienten mit AgP regelmäßig an der UPT teilnehmen, wobei das UPT-Intervall anhand der vorgeschlagenen modifizierten PRA ohne Einschluss des IL-1ß-Polymorphismus festgelegt werden sollte.

Neben stabilen klinischen Parametern konnten wir zehn Jahre nach APT ebenfalls eine stabile orale Mikroflora mit geringen Leveln der Parodontalpathogene A.actinomycetemcomitans, P.gingivalis, T.forsythia und T.denticola bei Patienten mit AgP vorfinden. Es zeigte sich, dass die adjuvante Antibiotikagabe parallel zur APT A.actinomycetemcomitans langfristig supprimieren kann. Dies muss jedoch aufgrund der geringen Fallzahl in weiteren Studien untersucht werden.

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