Zahnmedizinische Forschungsleistungen nur über bessere Ausstattung der Hochschulstandorte zu halten

15.11.2010

Statement Prof. Dr. Thomas Hoffmann, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde

12. November 2010 – Frankfurt. Für die zahnmedizinischen Wissenschaften steht die Notwendigkeit einer neuen, zukunftsweisenden Approbationsordnung für Zahnärzte (AppOZ) außer Frage. Der Präsident der DGZMK, Prof. Dr. Thomas Hoffmann (Universität Dresden), verweist in diesem Zusammenhang auf die Empfehlungen des Wissenschaftsrates (WR) aus dem Jahr 2005, der dies schon damals gefordert hatte. Mit seinen "Empfehlungen zur Weiterentwicklung der ambulanten Universitätsmedizin in Deutschland" hat der WR in diesem Sommer diese Forderung erneut bekräftigt und dabei auch auf die Bedeutung einer neuen AppOZ für die Weiterentwicklung und Qualitätsverbesserung der Ausbildung im Bereich der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde verwiesen. "Ein für die zahnmedizinische Forschung und Lehre wesentlicher Aspekt ist dabei die stärkere Integration der Zahnmedizin in die Medizin", erklärt der DGZMK-Präsident.

Genau wie der WR erwartet Prof. Hoffmann deshalb, dass die finanzielle und personelle Ausstattung im Zahnmedizinstudium der der Medizin angeglichen wird. Das betrifft z.B. die Betreuungsrelationen von Lehrenden zu Studierenden. In der Zahnmedizin liegt das Verhältnis aktuell bei 1:6, während es in der Medizin 1:3 beträgt. Insgesamt ist eine im Verhältnis zur Medizin schlechtere infrastrukturelle und personelle Ausstattung der zahnmedizinischen Hochschulstandorte zu beklagen.

Zahlreiche aktuelle Projekte beweisen derzeit noch die Lebendigkeit der deutschen Forschungslandschaft im Bereich der Zahnmedizin. Unübersehbar ist aber andererseits, dass in den vergangenen Jahren eine Abwanderung qualifizierter und engagierter Wissenschaftler in das Ausland stattgefunden hat. Ein große Rolle spielt dabei die gesunkene Attraktivität nicht nur im Bereich der wissenschaftlichen Ausstattung sondern auch bei der Finanzierung der Hochschul-Mitarbeiter. Prof. Hoffmann: " Es ist unabdingbar, wenn man die hervorragenden Forschungsleistungen auch weiterhin erzielen und den Standort Deutschland attraktiv erhalten möchte, die Vergütungen der Hochschullehrer dem internationalen Standard anzugleichen."

Darüberhinaus bedarf die Forschungslandschaft, nach Auffassung Prof. Hoffmanns, einer Neuorientierung. Neben der Grundlagenforschung gehört die Zukunft sowohl der Versorgungsforschung als auch der klinischen Forschung. Einen ersten Akzent zur Förderung der Forschungsaktivitäten auf dem Gebiet der Versorgungsforschung setzte die DGZMK mit der Etablierung der Fachgruppe Zahnmedizin im Deutschen Netzwerk für Versorgungsforschung (DNVF).Für die klinische Forschung ist eine ausreichende Personaldecke notwendig, will man eine effiziente Zusammenarbeit mit der zahnärztlichen Praxis (practice based research) etablieren. Gleiches trifft für die Verknüpfung von universitärer und praxisbasierter Lehre (practice based learning), sowie die aktive Teilnahme der Studierenden am Forschungsgeschehen als Garant für eine zukunftsgerichtete Ausbildung zu.

An die Adresse der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gerichtet, kritisierte Hoffmann, dass es unverständlich sei, von der ohnehin zu geringen Anzahl von drei Fachkollegiaten noch auf zwei reduziert worden zu sein, was lediglich ungefähr 1% der medizinischen Fachkollegiate insgesamt entspricht. Dies sei den Forschungsaktivitäten der ZMK nicht zuträglich und konterkariere die Empfehlungen des Wissenschaftsrates. Die Zahnmedizin muss sich zunehmend als Bestandteil der Medizin verstehen, die Partikularinteressen der einzelnen Fächer sind zugunsten eines starken Zentrums Zahnmedizin zurückzustellen. Es gilt, die Kräfte in diesem Zentrum zu bündeln, sich von der Begrenztheit der bisherigen Fächerstrukturen zu lösen und Exzellenzbereiche zu bilden. Diese umfassen in interdisziplinärer Ausrichtung die Lehre, die Forschung und die Medizinische Versorgung.

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