Mehrkostenregelung Endodontologie

28.05.2008

Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Zahnerhaltung

Die Weiterentwicklung der Endodontologie & Dentalen Traumatologie eröffnet neue Optionen der Zahnerhaltung. Es gibt inzwischen zahlreiche klinische Situationen, in denen ein Erhaltungsversuch auch bei Zähnen mit komplexer endodontischer
Problematik gerechtfertigt erscheint. Dazu zählen unter anderem:

  • Behandlungsbedürftige Zähne mit einem aufgrund anatomischer Besonderheiten einer dauerhaften Infektionskontrolle erschwert zugänglichen Kanalsystem
  • Zähne, die der Revision einer vorangegangenen endodontischen Therapie bedürfen
  • Behandlungsbedürftige Zähne, die frakturierte Wurzelkanalinstrumente aufweisen
  • Behandlungsbedürftige Zähne, die bereits mit Stiftsystemen versorgt sind
  • Behandlungsbedürftige Zähne mit Perforationen
  • Behandlungsbedürftige Zähne mit noch nicht abgeschlossenem
  • Wurzelwachstum oder aus anderen Gründen weitem Apex
  • Behandlungsbedürftige Zähne mit Resorptionserscheinungen

Aufgrund der erschwerten Ausgangsvoraussetzungen, die einen erhöhten Zeit- und Materialaufwand erfordern, geht hier - vordergründig betrachtet – ein Erhaltungsversuch in der Regel über die von der GKV vorgeschriebenen klassischen Rahmenbedingungen (zweckmäßig, ausreichend, wirtschaftlich) hinaus. Dies hat zur Folge, dass bei GKV-Versicherten zahlreiche - prinzipiell erhaltungswürdige - Zähne zur Extraktion kommen. Für die betroffenen Patienten führt dies wiederum zum Teil zu nicht unerheblichen, hoch-invasiven Nachbehandlungen (konventioneller oder Implantat-getragener Zahnersatz). Damit wird den Belangen einer zukunftsweisenden Zahnerhaltung nicht genügend Rechnung getragen.

Eine Mehrkostenregelung für GKV-Versicherte bei bestimmten endodontischen Eingriffen hat unter anderem folgende Vorteile:

  • Die GKV-Versicherten erhalten auch bei einem komplexen endontischen Eingriff ihren endodontischen Basisanteil und müssen nur die Differenz zum Mehraufwand selbst begleichen.
  • Die Zahnärzte können ihren GKV-versicherten Patienten ein erweitertes Spektrum der Zahnerhaltung anbieten und Zahnextraktionen vermeiden.
  • Die finanziellen Belastungen für Kostenträger bleiben begrenzt.
  • Die Optionen für die Zahnerhaltungskunde, die zu einer wesentlichen Erhöhung der Lebensqualität beitragen kann, werden insgesamt gestärkt.

Die Deutsche Gesellschaft für Zahnerhaltungskunde ruft die gesundheits- und standespolitischen Entscheidungsträger auf, hier eine sachgerechte Lösung herbeizuführen. Sie ist gerne bereit, bei entsprechenden Beratungen ihre fachliche Expertise einzubringen.

Autoren: W. Gertursen, H.-J. Staehle

Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Zahnerhaltung (DGZ), Version 1.0, Stand Mai 2008