Kongressprogramm zum Deutschen Zahnärztetag 2009 spiegelt Kernaufgaben jeder Praxis wider

18.08.2009

DGZMK-Präsident Prof. Hoffmann stellt in der Vorschau auf München Bedeutung auch für den beruflichen Nachwuchs heraus: „Studententag hat sich bewährt“

Düsseldorf/München. Trotz vielfältiger digitaler Möglichkeiten den Wissenshorizont zu erweitern, bleiben wissenschaftliche Kongresse, wie der anlässlich des Deutschen Zahnärztetages 2009 in München (4.-7. November 2009), für Prof. Dr. Thomas Hoffmann (Uni Dresden), Präsident der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK), auch in Zukunft konkurrenzlos. Zumal die Besucher in diesem Jahr unter der Thematik „Perioprothetik“ ein Programm mit hoher Praxisrelevanz und evidenzgestützten Praxiskonzepten erwartet. In der Vorschau auf den Deutschen Zahnärztetag 2009 in München erläutert Prof. Hoffmann auch, warum ihm der berufliche Nachwuchs so wichtig ist.

Wenn Sie den wissenschaftlichen Kongress zum DZÄT 2009 mit den unmittelbaren Vorgängern vergleichen: Was macht ihn aus Sicht eines Praktikers besonders besuchenswert?

Prof. Hoffmann: „Es war schon immer das Anliegen der wissenschaftlichen Kongresse zum Deutschen Zahnärztetag, ein Programm mit hoher Praxisrelevanz zu gestalten und dabei auf der Basis vorhandener Evidenz Praxiskonzepte zu vermitteln. Diese Möglichkeit bietet - besonders vor dem Hintergrund der demografischen Veränderungen in Deutschland - die diesjährige Thematik als ’Perioprothetik’ in besonderem Maße. Die parodontische Diagnostik und Therapie als Basis jedweden Versorgungskonzeptes und die restaurativen Versorgungen auf unterschiedlichem Niveau, von der Einzelzahn- bis zur komplexen festsitzenden Therapie einschließlich Implantattherapie, stellen - natürlich im Einklang mit allen präventiven Bemühungen - die Kerntätigkeit in der Praxis dar. Insofern meine ich, ist der Deutsche Zahnärztetag 2009 - neben den dort stattfindenden Jubiläen des 150. Geburtstages der DGZZMK und des 50. Bayerischen Zahnärztetages - vor diesem wissenschaftlichen Hintergrund besonders besuchenswert.“

Stichwort E-Learning, Online-Akademien und ähnliche Möglichkeiten elektronisch-digitaler Wissensvermittlung: Wie aktuell sind solche Großveranstaltungen wie der Kongress zum DZÄT heute eigentlich noch?

Prof. Hoffmann: „Wenn wir uns über E-Learning, Online-Akademien, Internetplattformen etc. unterhalten, wird dies oft unter dem Aspekt des Ersetzens konventioneller Lern- und Lehrformen und persönlicher Kommunikation vorgenommen. Ich sehe jedoch diese modernen Medien eher als eine sinnvolle Ergänzung zu den traditionellen Formen. Es wird immer aktuell sein, sich zu treffen, Argumente auszutauschen, Meinungen zu akzeptieren und im gemeinsamen Ringen eine Lösung zu finden. Und darüber hinaus bieten diese persönlichen Kontakte noch die Möglichkeit des sozialen Austausches. Das macht sie unverzichtbar. Die Vorbereitung und Nachbereitung derartiger Veranstaltungen auf der modernen elektronischen Ebene verbessert die Recherchemöglichkeiten und lässt - bei Verhinderung von Überflutungen - rationeller arbeiten. Sicher wird es zukünftig notwendig werden, über ein Zusammengehen verschiedener Veranstaltungen und damit die Reduzierung des Überangebotes nachzudenken.“

Seit dem Jahr 2004 gehört der Studententag zum festen Programm des DZÄT, er geht auf Ihre persönliche Initiative zurück. Hat sich der Studententag bewährt, wie könnte er noch attraktiver gemacht werden?

Prof. Hoffmann: „Wenn man die zahlenmäßige Entwicklung des Studententages verfolgt, den Aussagen der studentischen Teilnehmer Glauben schenkt und die Entwicklung der Initiative Young Dentists betrachtet, kann eindeutig gefolgert werden, dass sich der Studententag bewährt hat. Dabei ist ein Prozess in Bewegung gekommen, der schrittweise die Gestaltung des Studententages auch in die Hände unserer Studenten legt, also eine Zusammenarbeit mit den BdZM voranbringt. Seine Attraktivität erhöhen kann er erstens durch ein höheres Engagement der Hochschullehrer, in dem sie ihren Studenten die Möglichkeit einräumen, den gesamten Deutschen Zahnärztetag zu besuchen und zweitens durch eine noch intensivere Zusammenarbeit zwischen DGZMK, Young Dentist und BdZM, um die brennenden Themen aus der Studentensicht aufzuspüren.“

Welche Bedeutung hat eine solche Veranstaltung für den zahnmedizinischen Nachwuchs insgesamt, warum ist der DZÄT etwa für Berufsanfänger besonders interessant?

Prof. Hoffmann: „Ich denke schon, dass der Studententag eine sowohl wissenschaftliche als auch soziale Bedeutung für den zahnmedizinischen Nachwuchs hat und dass er darüber hinaus rückwirkt auf die zahnmedizinischen Standorte und damit auf die Lehre in der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde. Es treffen sich Studenten und junge Absolventen deutschlandweit, die schnell miteinander ins Gespräch kommen, ihre Studienerfahrungen austauschen, über Innovationen an dem einen oder anderen Standort beraten und somit  eben aus der Sicht der Studenten Interessantes mit in ihre Alma Mater zurückbringen. Damit wird auch der Lehrkörper aktiviert, aktuelle Themen wie z. B. das Problemorientierte Lernen oder die evidenzbasierte Zahnheilkunde in das Lehrprogramm aufzunehmen. Darüber hinaus stellen sich Fachgesellschaften vor, wird über internationalen Studentenaustausch diskutiert und werden Hinweise zu postgradualen Studiengängen weltweit gegeben. Auch das ist, so meine ich, für den zahnmedizinischen Nachwuchs von hohem Interesse.“

Mit dem Thema Perioprothetik verbindet sich auch ein Streifzug durch nahezu alle Fachgebiete der modernen ZMK. Ist das eher Chance zu neuen kooperativen Ansätzen unter den Fachbereichen oder wird hier der Versuch gegenseitiger Verdrängung zu befürchten sein?

Prof. Hoffmann: „Ich denke, dass spätestens seit den Empfehlungen des Wissenschaftsrates aus dem Jahr 2005 Bemühungen zu erkennen sind, sowohl sich intensiver in die Medizin zu integrieren, als auch in den einzelnen Fächern zu kooperieren. In dieser Kooperation liegt auch einzig und allein die Chance, die Deutsche Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde intern und im internationalen Vergleich  voranzubringen. Dies wird zwar noch recht unterschiedlich an den verschiedenen Standorten bewertet, ist aber essenziell. In dieser Integration spiegelt sich gleichermaßen die integrative Tätigkeit in der zahnärztlichen Praxis wie auch die hohe Bedeutung des Allgemeinzahnarztes in der Versorgung wider. Das beutet nicht, dass natürlich in speziellen Fragen auf der Basis der Fachspezifik die Lösung von Einzelproblemen angeboten wird, ohne jedoch dies als Verdrängungskampf zu sehen. Grundlage für eine weitere positive Entwicklung in dieser interdisziplinären Verknüpfung und Integration in die Medizin ist jedoch, dass sich die einzelnen Fächer entsprechend ihrer zu behandelnden Erkrankungsprävalenzen in der Praxis auch umfänglich in der Lehre an den Hochschulstandorten abbilden.“

Die Kongressgestaltung haben die DGP und die DGZWP übernommen. Wie sind Sie mit dem Zusammenspiel dieser beiden Fachgesellschaften im Ergebnis Kongress zufrieden?

Prof. Hoffmann: „Ich denke, hierauf gibt am besten das ausgewogene und anspruchsvolle Programm Auskunft, das sowohl in Zusammenarbeit von DGZPW und DGP als maßgebliche Fachgesellschaften, als auch von DGZMK und Bayerischer Landeszahnärztekammer in sehr konstruktiver Atmosphäre entstanden ist.“

Markus Brakel