Der Deutsche Zahnärztetag 2007: Schwerpunkt Präventive Zahnheilkunde

03.07.2007

In der präventiven Zahnheilkunde konnten in den letzten Jahren große Erfolge verbucht werden. So hat die jüngste Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS IV) unter anderem ergeben, dass das aktive Mundgesundheitsverhalten der in Deutschland lebenden Bevölkerung in den letzten Jahren deutlich gestiegen und international gesehen vergleichsweise hoch ist. Der Mundgesundheitszustand hat sich in verschiedenen Altersstufen hierzulande verbessert. Bei älteren Menschen findet sich eine größere Zahl eigener Zähne, allerdings scheint dies mit einem Steigen (!) von Wurzelkaries und schweren Parodontopathien verbunden zu sein. Trotz der Verbesserungen leidet immer noch weit über die Hälfte der in Deutschland lebenden Erwachsenen unter ernstzunehmenden Erkrankungen der Mundhöhle, wobei sich mit zunehmendem Alter die Ausprägung deutlich verschlimmert. Es setzt sich immer mehr die Erkenntnis durch, dass das Auftreten von oralen Erkrankungen einschließlich Karies und Parodontopathien wesentlich differenzierter gesehen werden muss, als dies bislang der Fall war. Neben äußeren Faktoren wie z. B. Konsum von Nahrungs- und Genussmitteln, Fluoridangebot und Mundhygiene spielen zahlreiche innere Faktoren wie genetische Ausstattung, Immunregulation, Stressverarbeitung, Allgemeinerkrankungen etc. eine wesentlich größere Rolle als bisher vermutet. Hinzu kommen die zahlreichen psycho-sozialen Einflüsse, die über Gesund- oder Kranksein entscheiden und die engen Verflechtungen von Allgemein- und Zahnmedizin belegen. Es wird hier ein eigentümlich anmutendes Phänomen deutlich: Gesundheitsbewusste Menschen, die durch erhöhte lebenslange Anstrengungen in ihrem aktiven Gesundheitsverhalten ihre Zähne länger behalten als früher, müssen trotz erheblicher Bereitschaft zu medizinischer Eigenverantwortung damit rechnen, dass sie im Alter mit beträchtlicher Wahrscheinlichkeit an (Wurzel-)Karies, Erosionen, Abrasionen, Attritionen, Traumata, schwerer Parodontitis und anderen oralen Erkrankungen leiden werden. Mit anderen Worten: Erhöhte medizinische Eigenverantwortung kann unter optimalen Lebensbedingungen zwar zu einer längeren Zahnerhaltung und damit zu einer verbesserten Lebensqualität beitragen. Sie führt aber nicht automatisch dazu, dass keine gravierenden oralen Erkrankungen mehr auftreten.

Für die Wissenschaft ergibt sich daraus die Frage, ob die bisherigen Konzepte ausreichend sind, den speziellen Anforderungen verschiedener Altersgruppen oder sozialer Schichten zielgerichtet Rechnung zu tragen.

Auf dem Deutschen Zahnärztetag in Düsseldorf werden am Donnerstag, den 22. November 2007 auf einem Vorsymposium die hier angesprochen Herausforderungen thematisiert.

Es werden Veränderungen im Lebensstil und den Erwartungen junger wie auch älterer Menschen und die daraus resultierenden Konsequenzen für den Zahnarzt angesprochen.

Moderne Strategien der Kariesprophylaxe in verschiedenen Altersgruppen, beginnend bei der (Risiko)Diagnostik über neue Überlegungen zur Remineralisation, Infiltration und Keimmodulation bis hin zur Umsetzung in der Praxis werden aufgezeigt.

Am Freitag, den 23. November 2007  hält der Herausgeber des berühmten Journal of Dental Research, Prof. Antony Smith aus Birmingham, einen grundlagenwissenschaftlichen Impulsvortrag mit dem Thema „Visionen der Zahnheilkunde – the complete Tooth Regeneration?“.

Anschließend werden die Konsequenezn, die sich aus der DMS-IV-Studie für künftige Konzepte der Kariesprävention ergeben, formuliert. Vorträge über heutige und künftige Strategien von Kariesmonitoring und  Kariesmanagement schließen sich an. Ein sehr aktuelles Thema, nämlich die Einhaltung der ausgewogenen Balance in der Kontrolle des Biofilms Plaque wird durch die  Frage: „Wird durch biologische und chemische Interventionen Zähneputzen künftig überflüssig?“ diskutiert.

Wer sich darüber hinaus über Detailfragen näher informieren möchte, dem seien neben den wissenschaftlichen Kurzvorträgen und den Referaten im Praktikerforum praxisbezogene Workshops, wie sie z. B. über Themen rund um den Speichel oder apparative Ausrüstungen der Kariesdiagnostik angeboten werden, empfohlen.

Vorschlag für einen Interviewpartner aus dem Bereich der Präventiven Zahnheilkunde:
Prof. Dr. M. Hannig, Universität Homburg 

Vorsymposium am Donnerstag, den 22.11.2007

Neue Herausforderungen in der Prophylaxe

12.00 – 12.15 Eröffnung und Begrüßung
(Staehle, Heidelberg und Hannig, Homburg/Saar)

12.15 – 13.00 Veränderungen im Lebensstil junger Menschen – Welche Herausforderungen bestehen durch Migration, Kleinkinderkaries, jugendliches Kiffen, Erosion/Abrasion und Ästhetik-Wahn in der Schweiz?
(Imfeld, Zürich)

13.00 – 13.45 Künftige Schwerpunkte in der Prophylaxe bei älteren Menschen – Welche Daten gibt es zum Bedarf? (Wie) kann er künftig befriedigt werden?
(Hassel, Heidelberg)

13.45 – 14.00 Diskussion

14.00 – 14.30 Pause

14.30 – 15.15 Moderne Strategien in der Kariesprophylaxe – Gibt es praxisreife Verfahren zu  Remineralisation, Infiltration und Keimmodulation?
(Buchalla, Zürich)

15.15 – 16.00 Bestimmung von Kariesrisiko und Kariesaktivität. Was können Speicheldiagnostik, mikrobiologische, biochemische und klinische Verfahren bei der Analyse des individuellen Kariesprofils leisten?
(Zimmer, Düsseldorf)

16.00 – 16.30 Prävention für 60+ - was ist anders?
(Benz, München)

16.30 – 17.15 Prävention in jedem Lebensalter - Wie sieht die Prophylaxepraxis der Zukunft aus (Organisation/Management/Wirtschaftlichkeit der Prophylaxe in der Zahnarztpraxis)?
(Laurisch, Korschenbroich)

17.15 – 17.30 Diskussion und Schlussworte

ab 18.30 Eröffnung des Wissenschaftlichen Programms mit Festvortrag

anschließend Get-Together-Party


Hauptvorträge am Freitag, den 23.11.2007

9.00 – 9.15 Eröffnung und Begrüßung
(Staehle, Heidelberg)

Wissenschaftlicher Impulsvortrag
9.15 – 10.15 Visionen der Zahnheilkunde – The complete Tooth Regeneration?
(Smith, Birmingham)

Block I: Innovationen in der Kariologie
Vorsitz: NN
10.15 – 10.30 Der Mundgesundheitszustand in Deutschland. Welche Konsequenzen ergeben sich aus der DMS-IV-Studie für künftige Konzepte der Kariesprävention?
(Schiffner, Hamburg)

10.30 - 11.00 Pause / Industrieausstellung

11.00 – 11.30 Neues zu Kariesdiagnostik, Kariesmonitoring und Kariesmanagement – Was wird bleiben, was wird in der Praxis künftig anders werden? (Noack, Köln)

11.30 – 12.00 Die richtige Balance in der Plaquekontrolle – wird durch biologische und chemische Interventionen Zähneputzen künftig überflüssig? (Dörfer, Kiel)

12.00 – 12.15 Diskussion

12.15 – 13.00 Preisverleihung

13.00 – 14.00 Mittagspause / Industrieausstellung