Bedeutung der ästhetischen Maxime darstellen

01.11.2008

DGZMK-Präsident Prof. Hoffmann stellte die Zielsetzung des wissenschaftlichen Programms beim Deutschen Zahnärztetag 2008 heraus / Kritischer Festvortrag zum Thema "Mensch und Natur im 21. Jahrhundert"

Die wesentliche Botschaft des Wissenschaftlichen Hauptprogramms am Deutschen Zahnärztetag ist sowohl in den einzelnen Hauptvorträgen als auch – und dies ganz besonders – in den Diskussionsrunden beider Tage vermittelt worden. Sie lautet: Auf der Basis eines hohen ethischen Anspruchs werden unsere Patienten vertrauensvoll beraten und auf höchstem (auch ästhetischen) Niveau behandelt. Sie lautet nicht: Was die moderne (ästhetische) Zahnheilkunde alles vermag, muss unseren Kunden auch verkauft werden. Damit hat sich laut Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK), Prof. Dr. Thomas Hoffmann, die Richtigkeit der Themenwahl „Ästhetik und Laser in der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde“ sowohl inhaltlich als auch zeitlich bestätigt.

Schade, so der Präsident weiter, dass diesen interessanten und wichtigen Diskussionen zu Ästhetik und Laser nur ein Teilnehmerkreis von ca. 1800 Besuchern, darunter rund 1200 Zahnärztinnen und Zahnärzte folgen konnte.

Kongressleiter Prof. Jean-Francois Roulet stellte in seiner Einführung klar, was er unter dem Begriff Ästhetik in der ZMK versteht: „Ästhetik heißt nicht schöne Zähne, sondern Natürlichkeit bezogen auf das ganze Gesicht.“ Dies bedeute eine klare Abgrenzung zur Kosmetik. Obwohl das Tagungsprogramm nach Auffassung von DGZMK-Präsident Hoffmann mit Roulet als Organisator die Handschrift eines engagierten Hochschullehrers zeigte, blieb die erwartete Resonanz aus. Die Veranstalter Bundeszahnärztekammer (BZÄK), DGZMK, und Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) wollen die in Stuttgart gesammelten Erfahrungen in die künftigen Zahnärztetage einfließen lassen.

In seinem Grußwort stellte der scheidende BZÄK-Präsident, Dr. Dr. Jürgen Weitkamp, die Bedeutung des Deutschen Zahnärztetages als etablierte Institution heraus, die ihre Bedeutung auch durch die nach innen und außen geschlossene Darstellung des Berufsstands gewönne. Weitkamp warb dafür, diese Idee unter der Kollegenschaft auch über den jeweiligen Veranstaltungsort hinaus noch populärer zu machen. Der KZBV-Vorsitzende, Dr. Jürgen Fedderwitz, lud dazu ein, dass BZÄK und DGZMK gemeinsam mit der KZBV eine Positionierung zu Festkostenzuschüssen in der Parodontologie erarbeiten sollten, deren Vertreterversammlung dazu in Stuttgart einen einstimmigen Beschluss gefasst hatte. Der Präsident der gastgebenden Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg, Dr. Udo Lenke, warb für den Veranstaltungsort Stuttgart („Stuttgart hat Profil!“) und lud die Gäste zu einem Streifzug durch die Landeshauptstadt ein.

Der kritische Festvortrag „Mensch und Natur im 21. Jahrhundert“ von Prof. em. Dr. Michael Succow (Universität Greifswald), Träger des Alternativen Nobelpreises und Namensgeber einer Stiftung zum Schutz der Natur, ging auf die Probleme menschlicher Zivilisation und dabei speziell auf die Kohlstenstoff-Problematik ein. Anhand verschiedener Ökosysteme auf der ganzen Welt zeigte Succow beispielhaft auf, wie der Mensch direkt oder indirekt den von der Natur bereits entsorgten Kohlenstoff wieder in den Kreislauf bringt, in dem er sich alle Speicher-Ökosysteme nutzbar gemacht hat. Er wolle „Ängste und Hoffnungen aufzeigen“, hatte Succow zu Beginn seines Vortrags angekündigt. „Noch haben wir die Möglichkeit, manches zu verändern, noch zukunftsfähig zu werden“, erklärte er. Eine Lösung könnte es sein, die ökologische Leistung der natürlichen Ökosysteme in Wert zu setzen. Darüber hinaus müssten alle Landnutzungssysteme auf den Erhalt der natürlichen Funktionstüchtigkeit ausgerichtet werden. Alle menschlich nicht benötigten Räume sollten der Natur übergeben und ihrer Eigendynamik überlassen werden. „Macht euch der Erde untertan!“, empfahl Succow in Abwandlung des bekannten Bibelwortes als  Handlungsmaxime. Wie notwendig eine solche Bewusstseinsänderung wäre, hat sein mit Bildern begleiteter Vortrag eindrucksvoll herausgestellt.

Im Anschluss an die Eröffnung trafen sich die Besucher und Gäste zum Empfang, der beim Buffett und lockeren Beisammensein mit angeregten Gesprächen ausklang.