24. Oktober 2008 – Gründungssymposium Stuttgart – Programm – Bericht

Transdisziplinärer Arbeitskreis Regenerative Medizin - Gründungssymposium

Lauer, Dresden

Regenerative Medizin in der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde – Hopes & Hypes

Bornhäuser, Dresden

Stammzellen in ihrer Bedeutung für die regenerative Medizin

Sculean, Nijmegen

Parodontale Regeneration – Wo stehen wir und wohin bewegen wir uns?

Warnke, Kiel

Endokultivierung – Der Mensch als Bioreaktor

Galler, Regensburg

Bioengineering teeth? Perspektiven im Bereich regenerativer Zahnheilkunde

Geis-Gerstorfer, Tübingen

Knochenersatzwerkstoffe in der regenerativen Medizin

Götz, Bonn

Stomatologische Stammzellkompartimente

Gründung des Transdisziplinären Arbeitskreises Regenerative Medizin (TAKRegMed)

Die Gründung des Transdisziplinären Arbeitskreises Regenerative Medizin (TAKReg Med) fand im Rahmen des Deutschen Zahnärztetages am 24.10.08 in Stuttgart statt. Die Regenerative Medizin ist ein sich entwickelndes Gebiet, das sich durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit verschiedener Fachgebiete der Lebens- und Ingenieurswissenschaften entwickelt. Besonders hervorzuheben sind Bereiche, wie die Entwicklungs- und Zellbiologie (Adulte, induzierbare pluripotente und embryonale Stammzellen) sowie die Nanotechnologie in den Materialwissenschaften. Neben diesen grundlagenorientierten Ansätzen ist die präklinische und klinische Anwendung von regenerativen Therapieansätzen wichtig. Gerade hier hat die Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde bereits etliches zu bieten. So gibt es im Bereich der Parodontologie seit Ende der 80er Jahre Ansätze zur Geweberegeneration und im Bereich der dentalen Implantologie ist die Regeneration von Kieferknochen und adäquaten Weichgewebe ein noch ungelöstes Problem, „ein Dauerbrenner“. In beiden Bereichen gibt es immer wieder vielsprechende Ansätze, aber bei der praktisch klinischen Umsetzung wird dann oft deutlich, dass einmal mehr wieder entwicklungsbiologische Grundsätze und auch ingenieurwissenschaftliche Prinzipien zu wenig berücksichtigt wurden oder aber neue Erkenntnisse zu wenig bekannt sind. So geht wertvolle Zeit verloren und Ressourcen werden nicht optimal genutzt. Deshalb macht es sich der TAK RegMed zur Aufgabe sowohl innerhalb der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde und künftig auch darüber hinaus eine inter- und transdisziplinäre Kommunikationsplattform darzustellen, um die weitere Entwicklung der Regenerativen Medizin gezielt zu forcieren. Die Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde selbst bildet bereits eine gute Grundlage, denn hier sind  bereits häufig materialwissenschaftliche und biologische Aspekte gekoppelt. Der Arbeitskreis soll als „unabhängige„ Plattform diesen Ansatz weiter stärken, was sich bereits im Spektrum der Vortragenden beim Gründungssymposium widerspiegelt.

Im Eingangsreferat reflektierte Prof. Lauer den Traum der Menschheit nach Regeneration, der sich schon in der griechischen Sage undErzählungen der frühen Christenheit wiederfindet und im Mittelalter zum Begriff des Homukulus führte. Entscheidende Ansätze in Richtung Regenerative Medizin waren erst im vergangenen Jahrhundert durch Entwicklungen im Bereich der Zellbiologie möglich. Die Regenerative Medizin und das Tissue Engineering haben zwar einzug in therapeutische Ansätze der Medizin gehalten, aber durch zu frühzeitige Vermarktung wurden Erwartungen geweckt, die frühestens in 10 bis 15 Jahren in Erfüllung gehen können. Gleichzeitig wurde damit auch offensichtlich, dass noch entscheidende Grundlagenforschung fehlt.

Prof. Sculean stellte für die Parodontologie die momentane Entwicklung in Hinblick auf die Geweberegeneration dar. Er zeigte die zuverlässig praktizierbaren Techniken auf, wie die Anwendung von Membranen. Er demonstrierte vielversprechende Ergebnisse durch Anwendung von Schmelzmatrixproteinen im Rahmen der Regenerativen Technik. Die Kombination von zellbasierten Ansätzen und Membrantechnologie sind aber gerade erst in Testung.

Prof. Bornhäuser zeigte auf, dass in der Onkologie zellbasierte Ansätze jetzt schon Leben retten. Aber da seit gut einem Jahr das Gewebegesetz in Kraft ist, sind die klinischen Umsetzungen (Translation) von neuen zellbasierten Ansätzen äußerst schwierig.

PD Dr. Dr. Warnke erläuterte an drei Fallbeschreibungen die Bedeutung des sogenannten in vivo tissue engineering. Im Gegensatz zum in vitro tissue engineering, wo aus Zellen Biomaterial und Wachstumsfaktoren neues Gewebe entsteht, wird dabei der Organismus als Bioreaktor genutzt. Dabei werden entsprechend um mit dem zu ersetzendem Knochen gefräste Biomateralien mit Wachstumsfaktoren und autogenen Knochenmark beladen und im Körper, z. B. Rückenmuskel implantiert. Durch diese Implantation finden dieses „engineerte Gewebe“ Anschluss an Blutgefäße. Dann wird es dann in den Kieferdefekt transplantiert, um diesen zu überbrücken und mikrochirurgisch an Blutgefäße angeschlossen. Unter der funktionellen Belastung formt sich dieser neue Knochen entsprechend der Belastung um.

Frau Dr. Galler ging auf die Zahnentwicklung und die Interaktion von Odontoblasten und Ameloblasten ein. Aus der Zahnentwicklung leitet sie Rückschlüsse auf das Engineering von Zähnen ab und berichtet von Bemühungen in den USA Zähne bis 2015 aus Stamm- und Vorläuferzellen zu erzeugen.

Prof. Geis-Gerstorfer umriss das weite Feld der Knochenersatzmaterialien. Dabei stehen natürliche und synthetische Materialien zur Verfügung, die als Leitstruktur für Zellen und Zellmigration fungieren können. Er wies weiterhin auf die Eigenschaften der Materialien hin auch osteoinduktiv wirken zu können. Dies hängt unter anderem stark von der Oberflächenbeschaffenheit ab. Der Erforschung und Modifikation von Materialoberflächen wird hier in Zukunft eine wesentliche Bedeutung zukommen. Als Knochenersatzmaterialien werden Kalziumphosphatverbindungen Biogläser und Polyhydroxyesther und organische Komponenten wie Biopolymere eingesetzt.

Prof. Götz stellte unterschiedliche Quellen der osteogenen, dentogenen und epithelialen Stammzellen vor. Er betonte die Bedeutung der verschiedenen Nichen im Zahn und Kieferbereich. Er wies insbesondere daraufhin, dass Knochen im Kiefer sich vom Knochen der Extremitäten unterscheidet und folglich auch die Eigenschaften der Stammzellen variieren und unterstrich das therapeutische Potential dieser verschiedenen Stammzelltypen.

Alle Beiträge wurden durch interessante Fragen abgerundet, die auch das große Interesse des Publikums an diesem Thema Regenerative Medizin noch mal zum Ausdruck brachten. Das Symposium schloss mit Gründungsversammlung bei der sich 35 Gründungsmitglieder eintrugen und dem Hinweis auf das nächste Treffen beim nächsten Zahnärztetag 2009 in München.

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