Medaillen mit zahnheilkundlichen Motiven

Jeton von Adolphe Honoré Turquetin

       

Quelle: G.R. Heckert

Jeton, Bronze, geprägt, sechzehneckig, Durchmesser 23,6 mm, Gewicht 3,7 g

Vs: Brustbild von A. H. Turquetin nach links, herum die Umschrift: UN NOMBRE CONSIBLE DE DOCTEURS ATTESTENT LA VERITE

Rs: Umschrift: ADOLPHE HONORÉ TURQUETIN MECN DENTISTE, A ROUEN. ST SEVER c. Im Feld die Schrift in zehn Zeilen: DANS/ L’EURE L’ORNE/ CALVADOS. SEINE/ INFUR11 J’AI OPERÉ/ EN 10 ANS/ PLUS DE 400.000/ INDIGENS/ ET GUERI UN/ NOMBRE PLUS/ CONSIDERABLE.

Anmerkung: Die Flächen der Vorder- und Rückseite haben nach außen hin einen schmalen Randwulst. Es ist zusätzlich ein variierendes Exemplar mit vier Punkten an Stelle des Sternes am Ende der Rückseitenumschrift bekannt.

Literatur: Storer 3981, Brettauer 5489, Proskauer 57, Freeman 858
 
Der Zahnarzt Adolphe Honoré Turquentin aus Rouen, Frankreich, wirbt auf seinem Jeton mit der großen Zahl der Patienten, die er schon behandelt hat.12 Dabei stellt er auf der Vorderseite die Behauptung auf:
“Dass eine große Zahl von Ärzten die Wahrheit bestätige, dass (auf der Rückseite fortfahrend) er mehr als 400.000 Patienten in einem Zeitraum von 10 Jahren behandelt und noch eine viel größere Anzahl geheilt habe.“

Storer und Proskauer geben irrtümlich INFRE auf der Rückseitenaufschrift an. Proskauer (1988), S. 19
 
Wenn man Turquetins Angaben überprüft und nur von der geringeren Anzahl von 400.000 Patienten in 10 Jahren ausgeht, dabei unterstellt, er habe jeden Tag gleich gearbeitet und keinen Tag ausgesetzt, kommt man auf die beträchtliche Zahl von etwa 109 Patienten pro Tag. Turquetin dürfte damit doch sehr übertrieben haben. Er führt den Titel eines MecN Dentiste an. Die Abkürzung MecN steht für Mécanicien-Dentiste, wobei die übliche Abkürzung Mecien lautet. Diese Zahnbehandler waren aus dem Berufsstand der Zahntechniker.
Es ist über Turquetin sonst leider nichts weiter bekannt. Sein Jeton dürfte aus der Mitte des 19. Jahrhunderts stammen.

 

 

Cent mit Gegenstempel von Dr. Wilkins aus dem Jahr 1858

     

 

Cent 1858, Kupfernickel, geprägt, mit Gegenstempel von Dr. G. G. Wilkins, Durchmesser 19,3 mm, Gewicht 4,5 g, Entwurf von James Barton Longacre, Prägeanstalt Philadelphia Mint, USA15

Vs: Ein nach links fliegender Adler mit ausgebreiteten Schwingen. Oberhalb im Bogen die Umschrift: UNITED STATES OF AMERICA. Unterhalb des Adlers die Jahresangabe: 1858. Auf den Schwingen des Adlers befindet sich fast in Anordnung eines Halbkreises der Gegenstempel: DR. G. G. WILKINS

Rs: Ein mit einer Schleife unten zusammengebundener und oben offener Kranz aus Kornähren, Weizen, Baumwoll- und Tabakpflanzen. Im Innern des Kranzes die Angabe: ONE/ CENT

Anmerkung: Das Münzbild der Vorder- und Rückseite ist mit einem Punktkreis vor dem Randstab gefasst. Die Prägung ist französisch, d. h. die Rückseite ist um 180° zur Vorderseite gedreht. Diese Flying Eagle Cents wurden von 1856-1858 geprägt.

Literatur: Rulau NH 107, vgl. Storer 3779

George G. Wilkins wurde 1820 geboren.16 Wann er nach Pittsfield, New Hampshire, kam, ist nicht bekannt. Vermutlich war dies etwa um 1855, da er 1850 noch nicht, aber 1860 und 1870 in den Einwohnerverzeichnissen geführt wurde. Weil aber viele Akten 1876 bei einem großen Brand verloren gingen, lässt sich nicht mehr darüber finden. Pittsfield war zu dieser Zeit noch ohne Bahnverbindung, die Einwohnerzahl lag 1860 bei 1.838 Personen und an Industrie befand sich eine Textilfabrik vor Ort. Die nächste größere Stadt war die fünfzehn Meilen entfernte Stadt Concord.

Wilkins stammte aus einer großen Familie und hatte mindestens vier Brüder und zwei Schwestern. Er war 1860 vierzig Jahre alt, Junggeselle, lebte in einer bescheidenen Bleibe im Drake's Hotel und übte dort Zahnheilkunde aus. Ob er studiert hat, ist nicht bekannt. Er betrieb zu dieser Zeit eine sehr effektive Art der Werbung, die für ihn trotz allem preisgünstig war. Er beprägte mit seinem Namen überwiegend Kleinmünzen, die praktisch überall präsent waren. Man kennt keine Goldmünzen oder Silberdollars mit seinem Gegenstempel. So wurde Wilkins in den USA die Person, die am produktivsten Münzen gegenstempelte. Er versah viele tausende, vermutlich sogar zehntausende Cents mit dem Namen: Dr. G. G. Wilkins. Der Name war fast halbkreisförmig angeordnet. Seine Gegenstempelungen führte er immer sehr sorgfältig aus. Meistens, wenn nichts dagegen sprach, setzte er sie je nach Münztyp an eine bestimmte Stelle. Wilkins prägte mit einem Hammer per Hand oder mit einer Presse. Die erste große Prägeperiode begann 1857 oder 58 bis 1863. Diesen in dieser Zeit benutzten Gegenstempel nennt man den Typ I oder auch "large letters" Stempel.17 Etwa 1863 ging dieser Stempel höchstwahrscheinlich zu Bruch. Von 1793 bis 1857 liefen besonders die "Large Cents" um, dann die "Flying Eagle Cents", abgelöst von den "Indian Head Cents". Die zweite Prägeperiode begann ca. 1864. Dafür benutzte er einen Stempel, den sogenannten Typ II oder "small letters" Prägestempel, mit etwas kleineren Buchstaben, die in einem kleineren Bogen angeordnet waren. Dieser neu angefertigte Stempel war speziell für die kleineren neuen Cents gemacht. So passte der kleinere Kreisbogen gut in das Feld zwischen der Umschrift United States und dem Gesicht des Indianers. In wenigen Fällen prägte er auch noch die Ortsangabe: PITTSFIELD, N. H. in Kombination mit dem Typ II Stempel auf die Münzen. 1876, vermutlich wegen des 100jährigen Unabhängigkeitsjubiläums der USA und aus Souvenirgründen prägte er zusätzlich zu seinem Namen noch die Jahresangabe auf die Münzen. Diese Stücke verteilte er wahrscheinlich in seinem Saloon. Es sind auch Münzen fremder Währungen, die in den USA umliefen, mit seinem Gegenstempel bekannt.

1866 muss Wilkins zu Geld gekommen sein, denn er kaufte für 950 $ von Lowell Brown und dessen Frau eine Parzelle Land und Gebäude an der Main Street nahe der Congregational Church. 1869 kaufte er für 100 $ von Addie H. Robinson Land, wo er den Bau eines Stalles plante. Um 1870 hatte Pittsfield nur noch etwa 1600 Einwohner, einen zweiten Zahnarzt namens C. C. Chesney, eine Schuhfabrik und mittlerweile auch Eisenbahnanschluss. Wilkins, der vorher hauptsächlich als Zahnarzt arbeitete, begann in den späteren 1860er Jahren einige andere Berufszweige zur Zahnarzttätigkeit hinzuzunehmen. Er arbeitete jetzt noch als Barbier und Haarschneider, handelte mit Tierfellen und Pelzen, mit Hunden und Fischen, verkaufte alkoholische Getränke, und betrieb einen Saloon mit "Eating House". Er wurde aber 1870 noch als Zahnarzt in den Akten von Pittsfield geführt. Auch gibt es von ihm in der Pittsfield Times Reklameanzeigen für seine Zahnarztpraxis und andere Tätigkeiten.18

George Wilkins Leben verlief immer kurioser. Er kam nun öfters mit dem Gesetz in Konflikt. Zweimal stand er wegen illegalen Alkoholverkaufs vor Gericht. Dabei ging es um fünf Gallonen, die man ihm nachwies. Die Strafe betrug 50,00 $ und 9,65 $ Gerichtskosten. Er verkaufte jetzt außerdem noch Gewehre, Revolver und Munition und man nannte sein Haus von jetzt an "Fort Wilkins".

1874 berichtete die örtliche Presse, dass Sheriff Frank B. Berry Dr. Wilkins verhaftete. Ihm wurde vorgeworfen, er hätte den Stall von A. J. Sherburne anzünden wollen. Der Angestellte von Wilkins, Charles F. Sewell, der etwa seit einem Monat für ihn arbeitete, sagte aus, dass Wilkins ihn für den 22. Februar 1874 und die folgenden zwei Nächte für 100 $ anheuern wollte, den Stall von Sherburne anzuzünden. Wilkins musste bis zur Gerichtsverhandlung in Concord 2.000 $ Kaution zahlen. Das Gericht fand keine Beweise, Wilkins zu verurteilen, und er wurde freigesprochen. Auch die örtliche Presse berichtete mehrfach über diesen Fall und den Bewohner von "Fort Wilkins", der dabei nicht gut wegkam.

Später wurde berichtet, dass Wilkins einem gewissen Charles B. Leavitt gefälschte Dollarnoten zum Preis für 50 Cent pro Dollar anbot.

Wilkins wurde ab 1876 durch immer häufigeren Genuss seiner eigenen Produkte zum Alkoholiker. Darunter litt seine gesamte Gesundheit und Nellie Mack, eine examinierte Schwester, kümmerte sich um ihn. Im Herbst 1879 machte Wilkins sein Testament. Er starb am 8. November 1879, an einem Samstagmorgen, an Wassersucht, an der er schon seit etwa einem Jahr litt. Es wurde eine Liste über sein Inventar von den Nachlassverwaltern aufgestellt. Dabei ergab sich eine Summe von 2.255 $ für Saloon und Landbesitz, 1.800,16 $ für persönliche Gegenstände, Bargeld, Altgold, Waffen (10 Revolver für 12,00 $) und zahn- ärztliche Instrumente (5,00 $). Es war ein großes Inventarverzeichnis. Abzüglich der entstandenen Arztkosten, den Pflegekosten für Nelli Mack, erbte vermutlich den Hauptteil sein Bruder Walter L. Wilkins.

Dass Dr. G. G. Wilkins Name in die heutige Zeit überkommen ist, lag nicht in ruhmvollen Taten begründet, sondern einzig und allein an der Art seiner Werbung, die ihm einen Platz in der amerikanischen Numismatik sicherte.

15 Breen (1988), S. 216
16 David Q. Bowers: The Strange Career of Dr. Wilkins. A Numismatik Inquiry, Wolfeboro 1987, S. 28
17 Rulau (1997), S. 222-223
18 Werbung für den Barbiersalon in der Suncook Valley Times am 22. Oktober 1860 und am 6. Mai 1869 in dieser Zeitung für den Verkauf von Fellen und Pelzen (Bowers 1987, S. 62).