Es gibt nur EINE Zahnmedizin

04.12.2019

Herausforderungen gemeinsam meistern
Die Zahnmedizin steht vor gravierenden Veränderungen, denen sie sich in einer geschlossenen Formation stellen muss. Der neue Präsident der DGZMK, Prof. Dr. Roland Frankenberger, skizziert im Editorial der DZZ 6/19 die Herausforderungen, denen er sich in den kommenden drei Jahren stellen will:

Im November 2019 habe ich das Präsidentenamt der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) von Prof. Dr. Michael Walter (Technische Universität Dresden) übernommen, der die Geschicke der DGZMK drei Jahre erfolgreich gelenkt hat. Ich danke ihm für die jahrelange kollegiale Zusammenarbeit und hoffe, das Amt in seinem Sinne fortzuführen. Danke, Michael!

Zu Beginn meiner Präsidentschaft existieren für mich zwei essenzielle Leitsätze, an denen ich mich zunächst orientieren möchte. 1. Die Zahnmedizin wird sich in der kommenden Dekade intensiver verändern als in den 30 Jahren davor und 2. es gibt nur eine Zahnmedizin.

Ad 1. Der strukturelle und demografische Wandel wird die Zahnmedizin bis 2030 erheblich beeinflussen. Die Feminisierung unseres Berufsstandes ist die logische Konsequenz aus besseren Abiturnoten der Mädchen und reduzierter Attraktivität des Berufs im Allgemeinen. Gleichzeitig wird der erhebliche Anteil Frauen unter den Absolventen den Trend in Richtung Metropolen einerseits sowie die Landflucht andererseits verstärken. Ebenso wachsen wird der Anteil alter und multimorbider Patienten in der Praxis, aber auch in entsprechenden Einrichtungen wie z.B. Pflegeheimen wird der Behandlungsbedarf signifikant zunehmen. Der „Caries decline“ der koronalen Karies der ersten Lebensjahrzehnte wird durch die Explosion der Wurzelkaries beim Älteren mehr als ausgeglichen werden und auch die Zunahme von Parodontitiden wird weiter anhalten. Parallel dazu wird sich die Digitalisierung bei Diagnostik und Therapie immer weiter zum Standard etablieren und sämtliche Prozesse der Zahnmedizin zusätzlich auf den Kopf stellen.

Sie sehen, an Aufgaben mangelt es nicht. Um die junge Generation auf die so skizzierte Zukunft vorzubereiten, wurde die Novelle der zahnärztlichen Approbationsordnung auf den Weg gebracht. Es wird erheblicher und vor allem kurzfristiger Anstrengungen bedürfen, dieses Ziel bis 2020/21 zukunftssicher umzusetzen. Die DGZMK wird für die Vereinigung der Hochschullehrer der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (VHZMK) ein verlässlicher Partner in diesen stürmischen Zeiten sein.

Ad 2. Der primäre Leitsatz meiner Präsidentschaft wird sein: EGNEZ – es gibt nur eine Zahnmedizin! Die DGZMK als Dachgesellschaft ist für mich die integrierende Instanz für die wissenschaftliche Zahnmedizin. Leider sehen wir oft, dass die Interessen der Subdisziplinen divergieren statt zu konvergieren. Der seit fast zehn Jahren gescheiterte Versuch einer echten Gemeinschaftstagung im Sinne der erfolgreichen DGZMK-Gemeinschaftstagung aus dem Jahr 2005 mag ein Beispiel dafür sein. Nennen Sie mich naiv oder roman‧tisch – ich werde mich in den drei Jahren als DGZMK-Präsident nachdrücklich dafür einsetzen, dass ein solcher Gemeinschaftskongress aller Fachgesellschaften der deutschen Zahnmedizin – egal wann – wieder gelingen kann. Natürlich wird das weit nach meiner Präsidentschaft sein, aber das ist mir egal, es geht doch um die Sache. Im Hinblick auf die vielfachen Herausforderungen der Zukunft für unser schönes Fach bin ich davon überzeugt, dass wir das nur gemeinsam stemmen werden – Partikularinteressen haben hier nichts verloren. Um die nun vorgestellten Gedanken zu ordnen und adäquate Schlüsse daraus zu ziehen, arbeiten wir im DGZMK-Vorstand gerade an einem Positionspapier zur Zahnmedizin 2030, dann lesen Sie das nächste Mal von uns.

Ich wünsche Ihnen eine besinnliche Vorweihnachtszeit, ein erfolgreiches 2020 und – bleiben Sie gesund.

 

Ihr

Prof. Dr. Roland Frankenberger

Präsident der DGZMK

 

Prof. Dr. Roland Frankenberger

(Foto: privat)