Vierter Rang bei internationalen Publikationen in der Zahnmedizin Deutschlands

Die wissenschaftliche Leistungsfähigkeit eines Landes und seiner akademischen Disziplinen wird gerne an den Ergebnissen der Forschung gemessen. Im Zeitalter elektronischer Datenbanken bietet sich an, die dort gespeicherten bibliographischen Angaben von wissenschaftlichen Veröffentlichungen zu analysieren. Für eine Bestandsanalyse der Zahnmedizin im internationalen Vergleich müssten alle weltweit publizierten zahnmedizinischen und medizinischen Zeitschriften nach zahnmedizinischen Dokumenten durchsucht werden. Da dies aus technischen Gründen nicht möglich ist, werden die weltweit verfügbaren internationalen medizinischen Datenbanken, die zahnmedizinisch relevante Zeitschriften enthalten, für die Bestandsanalyse herangezogen. In dieser, von der Deutschen Gesellschaft für zahnärztliche Prothetik geförderten Untersuchung von Kerschbaum und Droste (Wissenschaftler an der Uni Köln) wurden für den Zeitraum 1995 bis 2004 26 internationale Datenbanken mit Hilfe einer festgelegten Suchstrategie auf die zahnmedizinischen Publikationsleistungen abgesucht. Subspezialitäten – allgemeine Zahnmedizin, zahnärztliche Prothetik, Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie und zahnärztliche Chirurgie, Konservierende Zahnmedizin, Parodontologie, zahnärztliche Werkstoffkunde und Kieferorthopädie – wurden anhand ihrer Kernkompetenzen unterschieden.


Deutsch als Publikationssprache an dritter Stelle

Englisch als Publikationssprache hat sich im internationalen biomedizinischen Bereich mit rund 90% Anteil fast vollständig durchgesetzt. In der Rangfolge der Sprachen liegt Deutsch in der Zahnmedizin zur Zeit aber immer noch an dritter Stelle (nach Englisch und Chinesisch). Noch 1984 wurden rd. 66 % aller medizinischen Publikationen in englischen Zeitschriften veröffentlicht. Die Zahnmedizin ist ein relativ kleines Fachgebiet. Nur etwa 3 % aller in MEDLINE (der wichtigsten internationalen medizinischen Datenbank) in den vergangenen zehn Jahren gespeicherten Publikationen betreffen weltweit im engeren Sinne zahnmedizinische Fragestellungen. Die deutsche Zahnmedizin leidet besonders unter dem „Publication Bias“ bzw. „Language Bias“, d.h. sie sieht sich u.a. in ihren Entfaltungsmöglichkeiten dadurch behindert, dass ihre wichtigste wissenschaftliche Zeitschrift (Deutsche Zahnärztliche Zeitschrift, DZZ) aus objektiv nicht nachvollziehbaren Gründen nicht gelistet wird.

Erheblicher Publikationsrückstand gegenüber
USA

Die qualitativen und quantitativen Ergebnisse der jetzt durchgeführten und veröffentlichten Studie von Kerschbaum und Droste in Bezug auf Deutschland ergaben: Ähnlich den Ingenieurwissenschaften und anderen medizinischen Fächern lag Deutschland mit seinen internationalen Publikationszahlen in der Zahnmedizin nach USA, Japan und Großbritannien an vierter Stelle der Weltrangliste.

Der Rückstand gegenüber den USA war erheblich. Während die USA für rd. 25 % des gesamten Weltpublikationsvolumens verantwortlich war, waren deutsche Autoren daran mit rd. 5 % beteiligt. Die EU insgesamt in alter (EU15) und neuer (EU25) Formation haben die USA allerdings inzwischen in der Publikationsleistung überflügelt. Der skandinavische Anteil lag bei 5 %, also in einer ähnlichen Größenordnung wie Deutschland. Skandinavische Publikationen zeichnen sich durch besondere Qualität aus. Die Qualität deutscher Publikationen, gemessen am Anteil von Artikeln über RCTs (randomisierte klinische Studien, der besten Kategorie von Untersuchungen), wies einen höheren Anteil an qualitativ hochwertigen Dokumenten auf, als dies bei den Ländern USA, Großbritannien und Japan der Fall war.

Wissenschaftliche Zahnmedizin in Deutschland besser als ihr Ruf
Eine Validierung der Anzahl der Publikationen an externen Indikatoren, die die Wirtschafts- und Forschungsleistung Deutschlands und der USA widerspiegeln, zeigte, dass der Rückstand auch durch das Fehlen an Ressourcen in Deutschland (z.B. Stellen, Drittmittel für Forschung und Lehre) bedingt sein kann. Die Einbeziehung externer Faktoren wie Bruttosozialprodukt, Ausgaben für Forschung und Entwicklung und Bevölkerung führt in aller Regel zu erheblichen Veränderungen in der Rangfolge mit der Konsequenz, dass vor allem „kleine“ Länder besser da stehen. Resümee: Deutschlands wissenschaftliche Zahnmedizin steht besser da, als dies vom Wissenschaftsrat gewürdigt wurde, sowohl quantitativ als auch qualitativ. Th. Kerschbaum, Köln

(Quelle Originalpublikation: Kerschbaum,Th., Droste,S.: Darstellung der Zahnmedizin, insbesondere der zahnärztlichen Prothetik, in der nationalen und internationalen wissenschaftlichen Literatur. Dtsch Zahnärztl Z 61, 240-251 (2006))


Neue Veranstaltungsreihe: APW INTERNATIONAL
Ein brandneues Veranstaltungsangebot der APW soll das bewährte Konzept jetzt sinnvoll ergänzen: In Zusammenarbeit mit der Initiative "Zahngesundheit am Tegernsee" (Z.a.T.) des Kollegen Dr. Siegfried Marquardt wird am 11. und 12. Mai 2007 mit APW INTERNATIONAL eine neue Veranstaltungsreihe aus der Taufe gehoben. Ein Kongress mit internationalen Referenten und einem hohen Anforderungsprofil. Die Auftaktveranstaltug im Mai 2007 wird der Endotontie gewidmet sein. Ihr Titel: APW INTERNATIONAL, 7. ENDODONTIE SYMPOSIUM am 11.und 12. Mai 2007 in Rottach-Egern /Tegernsee. Tagungsleiter: Prof. Hülsmann, Prof. Löst. Referenten: P. Wesselink, K. Gulabivala, L. Figgener, H. Walsch, O. Pontius. In Zusammenarbeit mit DGZ, Z.a.T., Quintessenz-Verlag. Um einen ersten Eindruck von APW-INTERNATIONAL und unseren künftigen Kongresszentren am Tegernsee vermitteln zu können, präsentiert die APW bereits am 28. und 29. Oktober 2006 im Kongresszentrum Bad Wiessee in Zusammenarbeit mit Z.a.T ein besonderes "Highlight": Frank Spear, Vincent Kokich und David Mathews stellen sich vor. Wie kein anderes Team stehen sie für ein einzigartiges, konsequentes, strukturiertes und interdisziplinäres Behandlungskonzept. Nähere Auskünfte und Anmeldungen über die APW-Geschäftsstelle.

 

Dr. B. Fuchs; DGZMK-Vizepräsident