Verpflechtung von Wissenschaft und Forschung auf dem Gebiet der Zahnerhaltung
Die Deutsche Gesellschaft für Zahnerhaltung (DGZ) im Portrait
Die Deutsche Gesellschaft für Zahnerhaltung (DGZ) wurde im Jahr 1986 gegründet. Zur Zeit gehören über 2.000 Mitglieder der DGZ an. Zentrale Aufgabe der Gesellschaft ist die Förderung der Zahnmedizin im Bereich der Zahnerhaltung mit den Schwerpunkten Oralprophylaxe, restaurative Zahnerhaltung und Endodontologie.
Dabei unterstützt die DGZ eine enge Verflechtung von Wissenschaft und Forschung auf dem Gebiet der Zahnerhaltung, was eine Etablierung neuer Diagnose- und Behandlungstechniken bedingte und das therapeutische Behandlungsspektrum enorm erweiterte. Eine zentrale Stellung haben hierbei z.B. moderne Komposite, Adhäsivsysteme, Keramiken und die Weiterentwicklung der endodontischen Behandlungsmöglichkeiten unter Einbeziehung maschineller Aufbereitungsmethoden und des Dental-Mikroskopes.
Hohe Überlebendraten für vollkeramische Systeme und die Anwendung von Kompositen in direkter und indirekter Technik haben dazu geführt, dass diese Behandlungsmethoden neben etablierten Verfahren, wie z.B. der Anwendung gegossener Einlagefüllungen im Seitenzahnbereich, das konservierende Behandlungsspektrum weitreichend ergänzen konnten. Durch die kontinuierliche Weiterentwicklung vorhandener Adhäsivsysteme und Komposite wurden Therapien, die dem Grundgedanken der Zahnerhaltung folgen, überhaupt erst möglich. So können heute beispielsweise kleinflächige Defekte minimalinasiv, d.h. unter größter Schonung der Zahnhartsubstanz mittels plastischer Füllmaterialien, aber auch ausgedehnte Kavitäten mit Höckerersatz oder dentinbegrenzten Kavitätenrändern adhäsiv im direkten Verfahren versorgt werden.
Im Bereich der Adhäsivtechnik soll eine Vereinfachung entsprechender Haftvermittlersysteme durch eine Reduktion von Arbeitsschritten deren Techniksensitivität reduzieren und gleichzeitig einen mit Mehr-Schritt-Systemen vergleichbaren Haftverbund ermöglichen. Die Entwicklung saurer hydrophiler Monomere führt hierbei zur Ausprägung eines nanoretentiven Ätzmusters, das dem durch Phosphorsäure am Schmelz generierten Ätzmuster ähnelt und einen Verbund zwischen Zahnhartsubstanz und Füllungsmaterial herstellen soll. Im Dentinbereich bieten solche Systeme den Vorteil, dass auf eine Konditionierung mittels Phosphorsäure gänzlich verzichtet werden kann, was das Risiko für das Auftreten postoperativer Hypersensitivitäten minimiert.
Die Vereinfachung adhäsiver Verfahrensweisen findet Ihre Fortsetzung in der Entwicklung selbstadhäsiver Zemente, die durch einen sauren pH-Wert und die Entwicklung multifunktioneller Monomere mit Phosphorsäuregruppen eine Demineralisation der Zahnhartsubstanz bewirken. Diese Materialien, die ohne die Anwendung eines zusätzlichen Adhäsivsystems an der Zahnhartsubstanz auskommen, können beispielsweise zur adhäsiven Zementierung vollkeramischer Restaurationen verwendet werden, bieten aber weiterhin auch die Möglichkeit der Verankerung glasfaserverstärkter Stiftsysteme.
Restaurationen unter größtmöglicher Zahnsubstanzschonung
Bedingt durch die Weiterentwicklung der Adhäsivtechnik ist es außerdem möglich, Restaurationen innerhalb eines eingegrenzten Indikationsbereiches unter größtmöglicher Zahnhartsubstanz-Schonung zu reparieren. Diese Vorgehensweise wurde noch vor Jahren als „Patchwork Dentistry“ abgetan, stellt aber, besonders vor dem Hintergrund der Zunahme zahnfarbener Restaurationen besonders im Seitenzahnbereich, eine wichtige Therapieoption dar. Die vollständige Entfernung zahnfarbener Restaurationen aus Komposit oder keramischer Einlagefüllungen (Rerestauration) führt hingegen zu einem deutlich erhöhten Zahnhartsubstanzverlust im Vergleich zur Reparatur.
Adhäsiv verankerte Restaurationen bieten weiterhin die Möglichkeit, minimalinvasiv Form- und Farbumgestaltungen der Zahnhartsubstanz vorzunehmen, wie z.B. der adhäsive Diastema-Schluss nach kieferorthopädischer Behandlung im Frontzahnbereich.
AGET fördert Qualität der Endodontologie
Schon seit langem ist es ein zentrales Anliegen der DGZ, die Qualität der Endodontolgie in Ausbildung, Forschung und Praxis zu verbessern. 2004 wurde die Arbeitsgemeinschaft für Endodontologie und Traumatologie (AGET) eingerichtet, die sich als Gruppierung innerhalb der DGZ um die Belange der Endodontologie annimmt und den bis dahin bestehenden Beirat Endodontologie ablöste. Die Arbeitsgemeinschaft hat die Arbeit der DGZ auf dem Gebiet der Endodontologie wesentlich intensiviert und das in Deutschland bislang nur unzureichend repräsentierte Fachgebiet der Dentalen Traumatologie in Wissenschaft und Praxis gestärkt. Einen Schwerpunkt bildet dabei das Angebot eigener strukturierter Fortbildungsprogramme im Bereich der Endodontologie. Dazu zählen ein Spezialisierungsprogramm (Spezialist Endodontologie der DGZ), die Betreuung von Curriculum und Continuum Endodontologie der Akademie Praxis und Wissenschaft (APW) der DGZMK sowie die Einrichtung lokaler Study-Groups. Die regelmäßige Arbeit der Study-Groups stellt eine Fortsetzung der APW-Curricula dar, wobei die dort bereits vermittelten Inhalte weiter vertieft und ausgebaut werden. Bislang konnten bundesweit bereits mehr als 30 Studiengruppen eingerichtet werden.
Weitere Schwerpunkte bilden die Erstellung wissenschaftlicher Stellungnahmen, die Durchführung von Kongressen und Symposien und die Verleihung wissenschaftlicher Preise und Auszeichnungen. In den beiden Teilgebieten Endodontologie und Traumatologie wird gezielt eine stärkere Verzahnung von Wissenschaft und Praxis, Hochschulen und niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen angestrebt. Die AGET ist internationaler Repräsentant der deutschen Endodontologie innerhalb der European Society of Endodontology (ESE).
Vorstand der DGZ
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