Lockere Zähne - Mehr als nur ein Kauproblem?
Zahnärzte und Internisten diskutierten auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie in Nürnberg über die Wechselwirkungen zwischen Zahn- und Allgemeingesundheit
Nürnberg. „Orale Medizin - die Mundhöhle ein Spiegel der Allgemeingesundheit" so lautete das Generalthema der Jahrestagung 2008 der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie (DGP) die am vergangenen Wochenende in Nürnberg zu Ende ging. Erstmalig fand diese traditionelle Veranstaltung in aktiver Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) statt und entsprach damit der von der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) im Jahre 2005 geforderten Rückbesinnung der Zahnheilkunde als integralem Teil der Medizin auf einem qualitativ neuen Niveau der Zusammenarbeit.
Anlass für dieses in Deutschland bislang einmalige Treffen von Parodontologie und Innerer Medizin war eine in den letzten Jahren ständig anwachsende Zahl wissenschaftlicher Studien, deren Ergebnisse die Existenz vielfältiger Verbindungen zwischen parodontaler und allgemeiner Gesundheit offenbarten. Das gemeinsam vom Präsidenten der DGP Prof. Dr. U. Schlagenhauf sowie dem früheren Präsidenten und jetzigen 1. Stellvertretenden Vorsitzenden der DGIM Prof. Dr. Georg Ertl erarbeitete Tagungsprogramm sollte im Dialog zwischen Experten aus Innerer Medizin und Parodontologie Antworten darauf geben, wie ausgeprägt die verfügbare Evidenz zum Zusammenhang der parodontalen Gesundheit mit einer ganzen Reihe internistischer Gesundheitsprobleme ist und welche Konsequenzen sich hieraus für die Kommunikation zwischen Arzt und Zahnarzt ergeben.
Als einer der Höhepunkte des ersten Kongresstages konnte Prof. Maurizio Tonetti/Genua nach einer stringent präsentierten Analyse feststellen, dass eine eindeutig belegbare Korrelation zwischen Gefäßgesundheit und parodontaler Gesundheit besteht und dass darüber hinaus eine erfolgreiche parodontale Therapie auch signifikant den funktionellen Zustand der Gefäße positiv beeinflusst. Seine Ausführungen wurden durch die Ausführungen von Dr. Nikos Werner/Bonn bestätigt, welcher zudem Daten zum negativen Einfluss parodontalpathogener Keime auf die Gefäßgesundheit vorstellte. Prof. Dr. Alpdogan Kantarci/Boston gab nachfolgend einen faszinierenden Einblick in einen alternativen Ansatz zur Therapie chronischer Entzündungen durch den Einsatz entzündungsauflösender Lipoxine und deren synthetischen Derivate, die, sofern sie das Stadium der Praxistauglichkeit erreichen werden, die Behandlung von Parodontitis aber auch aller anderen chronisch-entzündlichen Erkrankung auf eine völlig neue Basis stellen könnten.
Die Evidenz zur Interferenz von Diabetes mellitus und parodontalen Erkrankungen konnte von Prof. Dr. J. Meyle wie auch von Prof. Dr. R. Bretzel in ihren Vorträgen ebenfalls eindeutig bestätigt werden. Beide Professoren haben an der Universität Gießen daher bereits eine vorbildhafte Kollaboration zwischen Diabetologie und Parodontologie etabliert.
Das psychosoziale Umfeld als Faktor in der Entstehung chronisch-entzündlicher Erkrankungen stand im Mittelpunkt der Hauptvorträge des zweiten Kongresstages. Sowohl Prof. Dr. T. Kocher /Greifswald, der einzigartige Datenanalysen aus dem Datenschatz der Greifswalder SHIP-Studie präsentierte, als auch Dr. J. Baulmann /Würzburg, welcher u.a. über den Zusammenhang zwischen Depression und der Überlebenswahrscheinlichkeit bei chronischer Herzinsuffizienz berichtete, konnten psychosozialen Faktoren eine zentrale Bedeutung in der Ätiologie der Parodontitis wie auch der internistischen Erkrankungen zuweisen.
Als Fazit zweier Tage intensiver Diskussionen zwischen Internisten und Parodontologen stellten Prof. Dr. G. Ertl und Prof. Dr. U. Schlagenhauf am Tagungsende gemeinsam fest, dass die durch Studien abgesicherte Datenlage eine intensivierte Zusammenarbeit zwischen Medizin und Zahnmedizin unbedingt sinnvoll erscheinen lässt. Eine Weiterführung und Ausweitung des begonnenen Dialogs ist daher bereits für die nächste Zukunft in Planung. Sie wird sich nicht zuletzt im Programm des Deutschen Zahnärztetags 2010 in Frankfurt, der unter Federführung der DGZMK mit allen wissenschaftlichen Fachgesellschaften der ZMK stattfindet, niederschlagen.
Bei den turnusmäßigen Vorstandswahlen wurde Prof. Schlagenhauf als Präsident der DGP für weitere drei Jahre im Amt bestätigt, ebenso wie Dr. Filip Klein/Frankfurt als Schatzmeister. Prof. Dr. Peter Eickholz/Frankfurt wurde als Präsident elect gewählt. Prof. Dr. Anton Sculean/Nijmegen und Dr. Tomislav Kresic/Hünstetten stellten sich auf eigenen Wunsch hin nicht zur Wiederwahl. Als Nachfolger wurden Prof. Dr. Thomas Kocher/Greifswald sowie Dr. Kai Worch/Gerbsen in den Vorstand gewählt.
DGK-Jahrestagung: Sensibilsierung für Kindesmisshandlung
Die 15. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde (DGK) in Dresden ist erfolgreich beendet worden. Sie fand, sowohl unter den Teilnehmern als auch bei der Presse, eine hohe Aufmerksamkeit für das Thema der Kindesmisshandlung und -vernachlässigung. Die bei den Kinderzahnärzten bereits vorhandene Sensibilisierung für das Thema konnte weiter geschärft werden. Dabei wurden neben diagnostischen Hinweisen auch rechtliche Aspekte über den korrekten Umgang mit Verdachtsfällen vorgetragen.
Tagtäglich auftretende Herausforderungen in der kinderzahnheilkundlichen Praxis wurden mit dem Thema des zahnärztlichen Notfalls (endodontisch oder traumatisch) diskutiert. Schließlich wurden in einem Fortbildungsteil für das gesamte Praxisteam die Möglichkeiten der Kariesprophylaxe dargestellt. Die Beteiligung der Pädiatrie, deren Sicht zur Kariesprophylaxe mittels Fluorid vorgetragen wurde, und insbesondere die aufeinander zugehende Diskussion dieser Thematik gibt Anlass zu der Hoffnung, bislang konträre Patientenempfehlungen überwinden zu können.
Bei den turnusmäßigen Wahlen wurde Prof. Dr. Christian Hirsch (Leipzig) zum neuen DGK-Präsidenten gewählt und tritt die Nachfolge von Prof. Dr. Ulrich Schiffner (Hamburg) an, der künftig als DGK-Fortbildungsreferent arbeitet. Vizepräsidentin ist künftig Sabine Bertzbach (Bremen), neue Generalsekretärin ist Dr. Katrin Bekes (Halle/Saale), zur Schatzmeisterin wurde Dr. Sabine Dobersch-Paulus (Würzburg) gewählt.
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