Fortbildung dient der Qualitätssicherung

Die Implantologie gehört zu jenen Gebieten in der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, die sich besonders dynamisch und rasant entwickeln. Sie wird geprägt von technischen Innovationen und intensiver Forschung und ist der größte Wachstumsbereich in der modernen Zahnmedizin.

Entsprechend bedeutsam ist die Fortbildung auf diesem Gebiet. „Eine wissenschaftlich basierte und praxisorientierte Fortbildung trägt ganz wesentlich zur Qualitätssicherung in der modernen Implantologie bei“, sagt Dr. Gerhard Iglhaut, Memmingen, Fortbildungsreferent der Deutschen Gesellschaft für Implantologie. Mit über 6000 Mitgliedern ist die DGI die größte wissenschaftliche Gesellschaft auf ihrem Gebiet in Europa. Als Motor der Entwicklung einer modernen Implantologie bietet sie seit vielen Jahren ein umfassendes Fortbildungsprogramm für Zahnärztinnen und Zahnärzte, das kontinuierlich weiterentwickelt wird. „So wollen wir Nutzen stiften und unsere Mitglieder dabei unterstützen, zu den Besten des Faches zu gehören“, erklärt DGI-Präsident Professor Günter Dhom, Ludwigshafen.

Geht es um „die Dritten”, entscheiden sich inzwischen 3,6 Prozent der Frauen und 1,4 Prozent der Männer für implantatgestützten Zahnersatz. Schätzungen zufolge wurden im vergangenen Jahr 600.000 Implantate gesetzt, 70.000 mehr als im Jahr zuvor. Damit hat die Implantologie zwar noch immer einen geringen Anteil im Vergleich zur konventionellen Versorgung, doch die Nachfrage nach dieser Versorgungsform steigt, denn es sinkt die Bereitschaft zum Tragen herausnehmbarer Prothesen.

Die im Dezember 2006 veröffentlichte „Deutsche Mundgesundheitsstudie IV“ belegt beispielsweise, dass in einer repräsentativen Bevölkerungsstichprobe inzwischen 1,4 Prozent der Erwachsenen und 2,6 Prozent der Senioren implantatgetragenen Zahnersatz haben. Bei einer vorausgegangenen Studie im Jahr 1998 trugen hingegen nur 0,7 Prozent der Bevölkerung implantatgetragenen Zahnersatz. Es besteht eine deutliche Abhängigkeit vom Sozialstatus: Menschen mit hohem Sozialstatus tragen in 4,9 Prozent der Fälle Implantate, bei jenen mit mittlerem Status sind 3,4 Prozent und bei jenen mit niedrigem Sozialstatus 1,9 Prozent mit Implantaten versorgt.

Untersuchungen zur Lebensqualität von Implantat-Trägern stecken noch in den Anfängen. Erste wissenschaftliche randomisierte Studien zeigen jedoch einen signifikanten Gewinn an Mund-bezogener Lebensqualität nach einer Implantation. Die Studien zeigen auch, dass Implantatträger deutlich weniger Einschränkungen der Lebensqualität in Kauf nehmen müssen als Menschen mit konventionellem Zahnersatz. Doch nicht nur das Interesse der Patienten steigt. Es steigt auch die Zahl der Praxen, die Implantologie anbieten. Insbesondere für Zahnärzte, die sich neu niederlassen, gehört die Implantologie – gepaart mit dem entsprechenden Fachwissen – in den meisten Fällen von Anfang an dazu.

Die überwiegende Mehrheit der Patienten möchte von einem Spezialisten implantologisch behandelt werden. Das zeigt eine Umfrage bei mehr als 600 Patienten. Die Untersuchung belegt auch, dass 73 Prozent hohe Erwartungen an eine Implantation stellen: Diese soll ihre Lebensqualität verbessern. Und mehr als 80 Prozent der Befragten wünscht sich, wieder kraftvoll zubeißen zu können.

Allerdings kann die Implantologie aus Kapazitätsgründen nicht im erforderlichen Umfang an den Universitäten während des Studiums gelehrt werden.

„Auch darum ist die postgraduale Fortbildung wichtig“, erklärt Iglhaut. „Die Implantologie ist ein sehr komplexes Fach innerhalb der Zahnmedizin, das in viele Gebiete hineinreicht, etwa in Prothetik, Parodontologie oder Endodontie.“ Darum müsse die Ausbildung sehr umfassend und strukturiert erfolgen. Dafür hat die DGI ihr postgraduales Fortbildungssystem in den letzten Jahren systematisch auf- und ausgebaut. Es bietet wissenschaftsbasiertes Knowhow für die Praxis auf allen Ebenen – angefangen mit dem Curriculum Implantologie über das Continuum bis hin zum Masterstudiengang. Die enge Zusammenarbeit zwischen Hochschullehrern und Praktikern, das Markenzeichen der DGI, stellt sicher, dass die Verbindung von wissenschaftlichem Anspruch und Praxisbezug Basis aller Angebote ist.

Als wissenschaftliche Fachgesellschaft hat sich die DGI die Qualitätssicherung auch bei ihren Fortbildungsangeboten von Anbeginn an auf die Fahnen geschrieben. Die Referenten müssen hohe Anforderungen erfüllen. Sie stehen unter Supervision, halten Probevorträge und werden regelmäßig durch die Teilnehmer beurteilt. Der Unterricht findet an Universitäten und in Praxen in ganz Deutschland statt. Jedes Veranstaltungswochenende wird von einem anderen Experten bestritten. Ein solches Konzept liefert den Teilnehmern zum einen die erforderlichen Einblicke in eine ganze Palette von Möglichkeiten und Strategien – und nicht nur die Meinung eines einzigen Experten. Ebenso können die Teilnehmer direkt vor Ort erfahren, wie die Implantologie – durchaus in verschiedenen Varianten – in eine Praxis integriert werden kann.

Das Curriculum Implantologie, den Goldstandard der implantologischen Fortbildung, bietet die DGI zusammen mit der Akademie Praxis und Wissenschaft (APW) der DGZMK seit 1998 an. „Im Continuum, das ebenfalls zusammen mit der APW durchgeführt wird, können die Teilnehmer ihr Wissen auffrischen, erhalten ein Update des State of the Art und lernen fortgeschrittene Techniken“ erklärt Iglhaut.

Das Curriculum Implantologie gehört zu den Voraussetzungen, die Zahnärzte nachweisen müssen, um den „Tätigkeitsschwerpunkt Implantologie“ führen zu dürfen. Dieser Tätigkeitsschwerpunkt ist schildfähig und an verschiedene Voraussetzungen geknüpft. Er wird von Fachgesellschaften wie der DGI verliehen. Neben dem Curriculum gehört dazu beispielsweise eine mindestens dreijährige implantologische Tätigkeit. Das Zertifikat ist fünf Jahre gültig und wird nur verlängert, wenn eine entsprechende Fortbildung nachgewiesen werden kann. Auf Wunsch vieler Mitglieder etablierte die Gesellschaft in Kooperation mit der privaten Steinbeis-Hochschule Berlin vor zwei Jahren einen postgradualen berufsbegleitenden Studiengang, der mit dem internationalen akademischen Grad Master of Science in Oral Implantology abschließt. „Der Studiengang ist als Qualitätslabel in der Implantologie inzwischen fest etabliert“, sagt Günter Dhom, der diesen Studiengang kreiert hat und ihn leitet. Der DGI-Master stehe, so Dhom weiter, für höchstes Niveau und für die Zukunft des Faches.

Dass sich das Engagement und die Investition in das eigene Können auf dem Gebiet der Implantologie lohnt, zeigen die Resultate einer Umfrage bei den Absolventen des DGI-APW-Curriculums Implantologie: 80 Prozent der Zahnärzte, Oral- und MKG-Chirurgen, steigerten die Zahl ihrer Implantationen nach dem Curriculum. Denn Hinweise auf besondere Qualifikationen gewinnen zunehmend an Bedeutung. Patientinnen und Patienten achten mittlerweile darauf, welche Qualifikation ihr Zahnarzt hat. Deshalb sind entsprechende Zertifikate zu einem wichtigen Qualitätsmerkmal geworden. Günter Dhom: „Eine gute Fortbildung gibt Selbstvertrauen und schafft Vertrauen bei den Patienten.“

Barbara Ritzert

Deutsche Gesellschaft für Implantologie, DGI