Deutscher Zahnärztetag 2007 - Neue Herausforderungen, neue Konzepte
Übersicht zum wissenschaftlichen Hauptprogramm des DZT 2007, federführend ist die Deutsche Gesellschaft für Zahnerhaltung (DGZ):
Präventive Zahnheilkunde
In der präventiven Zahnheilkunde wurden in den letzten Jahren Erfolge verbucht. So hat die jüngste Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS IV) unter anderem ergeben, dass das aktive Mundgesundheitsverhalten der in Deutschland lebenden Bevölkerung in den letzten Jahren gestiegen und international gesehen vergleichsweise hoch ist. Der Mundgesundheitszustand hat sich in verschiedenen Altersstufen hierzulande verbessert. Bei älteren Menschen findet sich eine größere Zahl eigener Zähne, allerdings scheint dies mit einem Steigen (!) zum Beispiel von Wurzelkaries und schweren Parodontopathien verbunden zu sein. Trotz der Verbesserungen leidet immer noch weit über die Hälfte der Erwachsenen unter ernstzunehmenden Erkrankungen der Mundhöhle, wobei sich mit zunehmendem Alter die Ausprägung deutlich verschlimmert.
Neben den unbestritten sehr bedeutsamen äußeren Faktoren wie z. B. Konsum von Nahrungs- und Genussmitteln, Fluoridangebot und Mundhygiene spielen zahlreiche innere Faktoren wie genetische Ausstattung, Immunregulation, Stressverarbeitung, Allgemeinerkrankungen etc. bei der Entstehung oraler Erkrankungen eine wesentlich größere Rolle als bisher vermutet. Hinzu kommen die zahlreichen psycho-sozialen Einflüsse, die über Gesund- oder Kranksein entscheiden und die engen Verflechtungen von Allgemein- und Zahnmedizin belegen. Es wird hier ein eigentümlich anmutendes Phänomen deutlich: Gesundheitsbewusste Menschen, die durch erhöhte lebenslange Anstrengungen in ihrem aktiven Gesundheitsverhalten ihre Zähne länger behalten als früher, müssen trotz erheblicher Bereitschaft zu medizinischer Eigenverantwortung damit rechnen, dass sie im Alter mit beträchtlicher Wahrscheinlichkeit an (Wurzel-) Karies, Erosionen, Abrasionen, Attritionen, Traumata, schwerer Parodontitis und anderen, der Prävention prinzipiell zugänglichen oralen Erkrankungen leiden werden. Mit anderen Worten: Erhöhte medizinische Eigenverantwortung kann unter optimalen Lebensbedingungen zwar zu einer längeren Zahnerhaltung und damit zu einer verbesserten Lebensqualität beitragen. Sie führt aber nicht automatisch dazu, dass keine gravierenden oralen Erkrankungen mehr auftreten.
Die Frage drängt sich auf, ob die aktuellen wissenschaftlichen Konzepte in der Lage sind, den speziellen Anforderungen verschiedener Altersgruppen oder sozialer Schichten zielgerichtet Rechnung zu tragen. Auf dem DZT werden am Donnerstag, 22. November 2007, auf einem Vorsymposium einige der hier angesprochen Herausforderungen thematisiert. Am Freitag-Vormittag, 23. November 2007, wartet auf die Besucher des DZT zunächst ein Vortrag zu einer grundlagenwissenschaftlichen Fragestellung. Prof. Antony Smith aus Birmingham, Herausgeber des berühmten Journal of Dental Research, hält einen Impulsvortrag mit dem Thema „Visionen der Zahnheilkunde – the complete Tooth Regeneration?“.
Im weiteren Verlauf dieses Kongressabschnittes zur präventiven Zahnheilkunde werden die wesentlichen Innovationen der Kariologie vorgestellt.
Endodontologie & Traumatologie
In Zeiten des „Implantologie-Booms“ mag sich mancher Zahnarzt fragen, ob es noch sinnvoll ist, sich auf dem Gebiet der Endodontologie weiter zu qualifizieren. Die Antwort lautet eindeutig: Ja! In den letzten Jahren hat sich gerade auf diesem Gebiet sehr viel getan. Dazu zählen nicht nur bessere Visualisierungsmöglichkeiten des Arbeitsfeldes oder sicherere Aufbereitungs- und Obturationstechniken. Vielmehr hat sich das Verständnis der biologischen Gegebenheiten, von der Beherrschung endodontischer Infektionen, der Immunantwort des Organismus bis hin zur Gewebeverträglichkeit der eingesetzten Medikamente und Materialien deutlich verbessert. Die Endontologie steht auf einer sicheren wissenschaftlichen Grundlage und kann heute in wesentlich mehr Fällen als früher zur Zahnerhaltung beitragen.
Auf dem DZT wird am Freitagnachmittag, 23. November 2007, das Thema „Endodontologie & Traumatologie“ behandelt. Ausgangspunkt ist ein Grundlagenreferat über das dentale Trauma, in dem biologische Aspekte der beteiligten Gewebe sowie aktuelle diagnostische, präventive und therapeutische Optionen vorgestellt werden. Dabei werden auch Umfragen darüber, welche Behandlungsmaßnahmen in Zahnarztpraxen derzeit favorisiert werden, präsentiert und im Hinblick auf die zu erwartenden Erfolgsaussichten beleuchtet. Im weiteren Verlauf kommen in Zahnarztpraxen niedergelassene Spezialisten und Experten für Endodontologie der DGZ-Arbeitsgruppe Endodontologie & Traumatologie (AGET) zu Wort. Sie präsentieren Lösungsansätze zu Fragestellungen, die in der Praxis häufig anzutreffen sind.
Restaurative Zahnheilkunde
Es ist nicht lange her, da verband man mit restaurativen Verfahren zahnärztliche Eingriffe, die nicht selten mit erheblichem Verlust von Zahnhartsubstanz einhergingen und deren Ergebnisse in ihrer Funktion und ihrem Aussehen mitunter erheblich zu wünschen übrig ließen. Die übertriebene Darstellung angeblich dentalmaterialbedingter Gesundheitsschäden trug ebenfalls dazu bei, restaurativen Verfahren mit vielerlei Vorbehalten zu begegnen. Inzwischen hat sich das Bild deutlich geändert.Substanzschonende Präparationsverfahren mit variablen Abtragungsmodi wurden entwickelt und die heute zur Verfügung stehenden Restaurationsmaterialien bieten wesentlich mehr Optionen einer schadensgerechten, funktionell und ästhetisch zufrieden stellenden Versorgung als dies bislang der Fall war. Zudem ist die Einschätzung der Biokompatibilität restaurativer Werkstoffe - im Vergleich zu den 1990er Jahren - wesentlich fachbezogener und sachlicher geworden.Auf dem DZT wird am Samstag, 24. November 2007, den Innovationen der Restaurativen Zahnheilkunde ein ganzer Kongresstag gewidmet. Basierend auf Überlegungen über die Perspektiven restaurativer Versorgungsoptionen finden neue Präparations- und Insertionstechniken, verbesserte Restaurations- und Adhäsivmaterialien sowie erweiterte Anwendungsmöglichkeiten wie z. B. Reparatur-Restaurationen und direkte postendodontische Versorgungen besondere Beachtung. Weiter wird der aktuelle Kenntnisstand zur Biokompatibilität und den Überlebensraten von Restaurationen präsentiert. Eine wichtige Frage, nämlich wie sich unterschiedliche restaurative Versorgungsformen auf die wirtschaftliche Situation einer Zahnarztpraxis auswirken, runden die Thematik ab.
Prof. Dr. Dr. Hans Jörg Staehle, Universitätsklinikum Heidelberg
Aktuelles
Galenus-von-Pergamon-Preis 2012
21.12.2011Auch im Jahr 2012 verleiht die Springer Medizin Ärzte Zeitung Verlagsgesellschaft, als Mitglied einer internationalen ...
Festlicher Rahmen für die 25. Verleihung des Dentsply-Förderpreises
13.12.2011BZÄK und DGZMK gratulieren zum Jubiläum / Geschäftsführer Jesch: "Nachwuchsforschern einen Ansporn geben"
