Zahnpflege bei Kindern mit Morbus Down Syndrom

Welche Besonderheiten in der Zahnpflege gelten für Kinder mit Morbus Down Syndrom?

Antwort: Patienten mit Down-Syndrom, ähnlich Patienten mit anderen Einschränkungen, weisen mehr Karies auf als nicht-behinderte Patienten.
Als Ursache hierfür kommt zum einen die Störung bei der Mineralaufnahme zum Tragen, was während der Zahnentwicklung zu Zahnstruktur-Anomalien führen kann. Zum anderen ist bei Behinderungen teilweise die Mundhygiene erschwert, und bei einigen Fällen gerät die eigentlich gut mögliche Mundhygiene aufgrund anderer drückender Probleme in den Hintergrund.

Bei einem 5-jährigen Kind ist die Kronenbildung zu einem großen Teil bereits abgeschlossen, so dass ein Effekt durch systemische Fluoridierungsmaßnahmen nicht erreicht werden kann. Zudem kann das Risiko von Strukturanomalien nicht durch systemische Gabe von Fluorid positiv beeinflusst werden, da in diesen Fällen eine Störung des Ca-/P-Stoffwechsels vorliegt, nicht jedoch eine zu geringe Fluoridpräsenz. Für eine normal ablaufende Zahnentwicklung ist ausreichend Fluorid vorhanden. Im Gegenteil kann durch zuviel Fluorid während der Zahnentwicklung wiederum ein Hartsubstanzschaden, die Fluorose, entstehen. Schließlich werden bei Morbus Down-Kindern größere Abweichungen der Zahnentwicklung (gemeint sind nicht mehr Strukturanomalien, sondern Abweichungen bzgl. der Zahnanzahl oder -form) direkt mit den Abweichungen im Genom in Verbindung gebracht und wären damit in keiner Weise zu beeinflussen.

Da das Kind in Übereinstimmung mit unseren Empfehlungen (siehe auch Fluorid-Leitlinien unter www.zzq-koeln.de) Fluorid "systemisch" als Kochsalz (eigentlich ist der Effekt auch hierbei lokal, während der Nahrungsaufnahme) und lokal (über die Zahnpaste) erhält, soll keine weitere systemische Maßnahme durchgeführt werden. Dies gilt umso mehr, als dass wir heute wissen, dass Fluorid in dem Augenblick Karies hemmend wirkt, in dem es an der Grenzfläche zum Zahn frei verfügbar vorliegt.

Dann fördert Fluorid das an der Zahnoberfläche herrschende Gleichgewicht zwischen De- und Remineralisation zugunsten der Remineralisation.
Zugleich kann an der Zahnoberfläche ein Fluoriddepot aufgebaut werden. Diese Effekte sind jedoch nur nach lokaler Fluoridgabe und nicht nach systemischer Aufnahme zu erzielen.

Da eine Beeinträchtigung der Zahnstruktur durch eine mit der Behinderung einhergehende Störung des Mineralhaushaltes nicht ausgeschlossen werden kann, kommt der lokalen Fluoridanwendung (neben der Mundhygiene) besondere Bedeutung zu. Hierzu können Sie als betreuender Zahnarzt mit regelmäßigen (2 - 4mal jährlich) Fluoridlackapplikationen viel beitragen. Sofern das Kind gezielt ausspucken kann (in der Regel mit 6 Jahren, dies ist bei Behinderungen jedoch individuell zu beurteilen), kann zuhause neben der fluoridhaltigen Erwachsenenzahnpaste auch einmal wöchentlich ein Fluoridgelee angewendet werden. Von Spüllösungen ist wegen der möglichen Gefahr unbeabsichtigten Herunterschluckens größerer Mengen jedoch abzusehen.

Zusammenfassend: Bei einem Kind mit Morbus Down-Syndrom sollte zusätzlich zur Speisesalzfluoridierung und der bisherigen lokalen Fluoridanwendung keine weitere systemische Fluoridgabe mit Fluoridtabletten erfolgen. Zusätzliche Maßnahmen sind neben der sorgfältigen Mundhygiene durch die Eltern die erwähnten im Hause und/oder in der Praxis durchgeführten lokalen Fluoridierungsmaßnahmen mit höher konzentrierten Fluoridpräparaten.