Geschichte

Auch wenn bspw. Professor Herrmann (Mainz) bereits 1929 in der Zahnärztliche Rundschau seine Gedanken zum Thema einer „rationellen Praxisführung“ darstellt, ist ein geballtes Interesse der deutschen Zahnärzteschaft an der Ergonomie erst in den Sechzigern Jahren des letzten Jahrhunderts deutlich erkennbar.

1964 und 1966 nahmen motivierte Zahnärzte an den „Genter Colloquien“ (Belgien) unter Ägide von Professor Comhaire teil. 1966 wurde Professor Hermann’s Wunsch, auf der Salzburger Fortbildungstagung (8 Tage!) das Thema der rationellen Praxisführung von den verschiedensten Seiten aus beleuchten zu dürfen, vom Bundesverband der Deutschen Zahnärzten (BDZ) erfüllt. Einige Monate später war die „rationelle Praxisführung“ das Hauptthema der Nürnberger Tagung der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde.

Bereits 1967, erfolgte die Gründung der Arbeitsgruppe „Zahnärztliche Ergonomie“ der Féderation Dentaire Internationale (FDI) und des BDZ/KZBV-Ausschusses „Zahnärztliche Berufsausübung“, 1971 die Gründung des „Zentralinstitutes für Zahnärztliche Ergonomie“ der Landeszahnärztekammer Rheinland- Pfalz sowie 1973, in Sydney, des „Internationalen Institutes für Zahnärztliche Ergonomie und Praxisführung“ als Organ der FDI, beide mit Sitz in Koblenz.

Aus dieser Zeit sind Namen wie beispielsweise Eberhard Höfling (Kirchen/Sieg), Dr. Karl-Heinz Kimmel (Koblenz), Prof.Dr. Fritz Schön (Bad Reichenhall/Universität Erlangen-Nürnberg) und Dr. Bert Wagner (Weissenstadt) unvergesslich.

Die geballte Dynamik dieser Zeit wird außerdem durch das im Buch- und Zeitschriften-Verlag „Die Quintessenz“ 1972 erschienene Standardwerk „Ergonomie in der zahnärztlichen Praxis - Ein Wegweiser für den praktischen Zahnarzt“ mit den Autoren Schön und Kimmel unter Beweis gestellt.

So war es nicht verwunderlich, dass aus dem Kreis begeisterter Zahnärzte, nämlich von Eberhard Höfling, am 4. August 1972 an Herrn Professor Schön den Vorschlag zur Gründung einer Arbeitsgemeinschaft für zahnärztliche Ergonomie innerhalb der DGZMK hervorging: 1973, während der 99. DGZMKJahrestagung am 12. Oktober 1973 in Hannover, wurde der Arbeitskreis „Zahnärztliche Ergonomie“ gegründet und damit der erste formale Schritt zur Etablierung der Arbeitswissenschaft innerhalb im zahnärztlichen Bereich - auch mit Referenten aus dem Bereich der allgemeinen Arbeitswissenschaft - gemacht.

Der Arbeitskreis, der 1976 in Arbeitsgemeinschaft „Arbeitswissenschaft und Zahnheilkunde“ (AGAZ) umgewidmet wurde, war als Bereich übergreifendes Fachgremium gegründet worden, dem Zahnärzte aus Wissenschaft, Praxis und Standespolitik sowie Mitglieder aus Dentalindustrie und Dentalhandel angehörten. Von Anfang an war vorgesehen, Zahnarzthelferinnen an der Arbeit zu beteiligen.

Als der Dokumentation eine zunehmende Bedeutung zugeschrieben wurde, stellte 1983 der im Quintessenz- Verlag veröffentlichte ausführliche Bericht, mit Prof.Dr. Michael Heners (Karlsruhe) und Dr. Kurt Walther (Hamburg) als Herausgeber, über die am 29./30. Oktober 1982 in Hamburg abgehaltene Jahrestagung einen wichtigen Meilenstein dar.

Markant war die 1984 in Nürnberg abgehaltene Tagung, über die 1985 im gleichen Verlag ausführlich berichtet wurde. Ein wahres Highlight ware diese erstmalige Veröffentlichung über Ergebnisse der sog. „Rohmert-Untersuchung“ von Dr.Dr. Joseph Kastenbauer (Altötting) und Prof.Dr.-Ing. Walter Röhmert (Darmstadt), mit Prof.Dr. Michael Heners (Karlsruhe), Dr. Hanns Georg Krieger (Nürnberg) und Dipl.- Ing. Ernst-August Behne (Bensheim) als Herausgeber,. An dieser Studie waren Praktiker wie Dr. Werner Neuhauser (Kempten) und Dr. Richard Hilger (damals Düsseldorf) aktiv beteiligt. Der Band „Der Zahnarzt im Blickfeld der Ergonomie“ der IDZ-Materialienreihe geht ausführlicher auf diese Ergebnisse ein.

Seitdem sind zwar regelmäßig Jahrestagungen und/oder sonstigen Veranstaltungen, besonders anlässlich Veranstaltungen der Europäischen Gesellschaft für Zahnärztliche Ergonomie (EGZE) abgehalten, doch muss(te) die AGAZ trotz ihrer wissenschaftlichen Anerkennung und mehrerer an die Hochschulen gerichteter Appelle, erkennen, dass es ihr nicht gelungen ist, das Thema Ergonomie so im Bereich der zahnärztlichen Ausbildung und Praxis zu etablieren, wie es den ursprünglichen Zielen und inzwischen deutlich erkennbaren Evidenzen entsprechen sollte. Ein typisches Beispiel hierfür ist das im Deutsche Ärzte-Verlag 2001 erschienene, von Dr. Karl-Heinz Kimmel verfasste Buch „Zahnärztliche Praxis- und Arbeitsgestaltung – Ergonomie als Grundlage der Leistungs- und Lebensqualität“. Trotz guter Rezensionen ist dieses Buch ein Ladenhüter.

Dennoch wird sich Arbeitsgemeinschaft „Arbeitswissenschaft und Zahnheilkunde“ anstrengen, in nächster Zukunft, auch getragen durch die dynamischen Initiativen der Europäischen Gesellschaft für Zahnärztliche Ergonomie, ein entsprechendes Revival zu erreichen.

Die 1. Vorsitzende
1973 bis 1978 Dr. Karl-Heinz Kimmel (Neuhäusel)
1978 bis 1986 Prof.Dr. Michael Heners (Karlsruhe)
1986 bis 1996 Prof.Dr.drs. Jerome Rotgans (Witten)
1996 bis 2005 Prof.Dr. Wolfgang Freesmeyer (Berlin)
Seit 2005 Prof.Dr.drs.drs. Jerome Rotgans (Aachen)

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